11KM: der tagesschau-Podcast: Jung und rechtsextrem: Die "Letzte Verteidigungswelle"
11KM beleuchtet den Prozess gegen die rechtsterroristische Jugendgruppe „Letzte Verteidigungswelle“ und die Zunahme rechter Jugendgewalt.
11KM: der tagesschau-Podcast
29 min read1517 min audioIm ARD-Podcast 11KM spricht Host David Krause mit NDR-Journalist Hannes Stepputat über den Prozess gegen die rechtsterroristische Jugendgruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Im Zentrum stehen die sehr jungen Angeklagten, ihre streng organisierte Chat-Struktur und die von ihnen verübten Anschläge.
Die Taten werden stark durch die Linse von Jugendkultur und Gruppendynamik betrachtet, wodurch rechtsextreme Ästhetik teils wie ein wiederkehrender Modetrend wirkt. Die Bekämpfung des Extremismus wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe skizziert, wobei staatliche Repression und Haftstrafen als selbstverständliche Endpunkte gesetzt werden.
### Zentrale Punkte
* **Organisation über Chaträume**
Stepputat erkläre, dass sich die Gruppe straff im Netz organisiert habe. Für den Aufstieg in den Führungskreis hätten Mitglieder begangene Straftaten zwingend per Video nachweisen müssen.
* **Motive und Anklagepunkte**
Die Anklage werfe der Gruppe versuchten Mord und Brandanschläge vor. Die Jugendgruppe habe sich als rettende Instanz verstanden, um das Land vor einer vermeintlichen Überfremdung zu bewahren.
* **Zunahme rechter Jugendgewalt**
Der Journalist verweise auf eine Verdopplung rechter Straftaten bei Minderjährigen. Zur Bekämpfung bedürfe es mehr Präventionsarbeit, letztlich seien aber harte polizeiliche Strafen unabdingbar.
### Einordnung
Die Episode besticht durch tiefe investigative Einblicke in die Organisationsstruktur extrem rechter Jugendnetzwerke. Stepputat verdeutlicht zudem das strukturelle Problem kurzfristiger Förderungen in der Demokratiearbeit. Problematisch ist jedoch der Umgang mit den Betroffenen der Gewalt: Angegriffene und Geflüchtete tauchen lediglich als passive Objekte der Berichterstattung auf. Zudem wird die rechtsextreme Radikalisierung streckenweise verharmlost, wenn neonazistische Ästhetik als zyklisches Phänomen der Jugendkultur abgetan und extremistische Gewalt mit schwierigen familiären Verhältnissen erklärt wird. Diese soziologische Entlastungsrhetorik überdeckt teilweise die harte ideologische Schulung der Täter.
**Hörempfehlung**: Für alle, die verstehen wollen, wie sich rechtsextreme Jugendnetzwerke im digitalen Raum radikalisieren und organisieren.
### Sprecher:innen
* **David Krause** – Host und Journalist
* **Hannes Stepputat** – Investigativjournalist, Abteilung Recherche des NDR