In seinem Beitrag auf dem Verfassungsblog antwortet ein irischer Autor auf Suryapratim Roys Analyse der Treibstoffproteste im April. Roy sah in den blockierenden Landwirten eine „fossile Elite“, die wirtschaftliche Interessen mit rassistischen Narrativen verband. Der Autor hält diese Sicht für zu flach: Die Demonstrationen inszenierten einen symbolischen Kulturkampf, bei dem der Archetyp des „Mannes mit dem Traktor“ gegen die städtische Moderne gestellt wurde.
Dieser Archetyp – bodenständig, gemeinschaftsstiftend, manchmal rebellisch – war tief in der irischen Psyche verankert. Er wurde nun, so die These, von der extremen Rechten als trojanisches Pferd genutzt. Zitat: „This bivalent creature is now at the door of Irish politics. […] How hard is it to be against an image of your grandfather?“ Die Gefahr liege nicht in einer globalen Verschwörung, sondern in der Aneignung einer vertrauten Figur, der sich nur schwer widersprechen lasse. So entstand ein domestizierter Rechtspopulismus, der reale Existenzängste mit identitärer Ideologie vermengte.
Einordnung
Die Analyse erhellt, wie die extreme Rechte kulturelle Symbole kapert und die Linke paralysiert, weil diese an legitime Nöte anknüpfen. Sie romantisiert jedoch die ländliche Verankerung und blendet die materielle Interessenpolitik der Agraroligarchie aus, die Roy betonte. Die emotionale Bindung an nationale Archetypen wird überhöht, während die Rolle staatlicher Subventionen oder der Klimazerstörung unterbelichtet bleibt. Stimmen marginalisierter, nicht-weißer ländlicher Bevölkerungsgruppen fehlen völlig. Lesenswert für alle, die sich mit Populismus, politischer Symbolik und dem irischen Rechtsruck beschäftigen – mit dem Hinweis, die ökonomische Dimension nicht zu vergessen.