In dieser Live-Folge des Weltspiegel-Podcasts, aufgezeichnet auf der re:publica 2026, treffen vier ARD-Auslandskorrespondentinnen aufeinander, um über die Veränderungen ihrer Arbeit unter zunehmend restriktiven Bedingungen zu sprechen. Moderatorin Isabel Schayani steuert das Gespräch entlang persönlicher Erfahrungen in Israel/Palästina, den USA, China und Mexiko. Journalistisches Arbeiten wird dabei durchgehend als ein Ringen um Zugang dargestellt – zu Informationen, zu Orten, zu politischen Akteuren. Die Bedrohung von außen erscheint als neue Normalität, auf die man sich einstellen müsse, ohne die eigene Haltung zu verlieren. Dass unabhängiger Journalismus ein grundsätzlich schützenswertes Gut sei, wird von allen Beteiligten geteilt und nicht in Frage gestellt.

Zentrale Punkte

  • Zugang wird systematisch verwehrt In Israel/Palästina verhindere eine Militärzensur drehende Berichterstattung von Raketenabfangvorrichtungen und Einschlagsorten. Internationale Journalist:innen kämen ohne israelische Militärbegleitung nicht in den Gazastreifen, was die Berichterstattung von lokalen, doppelt gefährdeten Kolleg:innen abhängig mache.
  • Feindbild Journalist:in wird geschürt In den USA brandmarke der Präsident Medien als „Feinde des Volkes". Dies schaffe ein Klima, in dem Gewalt gegen Journalist:innen bei Großveranstaltungen befürchtet werde. In China seien Korrespondent:innen mit Spionagevorwürfen konfrontiert und zunehmend drangsaliert worden, was die Berichterstattung massiv eingeschränkt habe.
  • Dauerstress als Normalzustand Die Geschwindigkeit und Unübersichtlichkeit der Nachrichtenlage durch soziale Medien, gekoppelt mit direkter körperlicher Bedrohung (Raketenalarm, aufgeheizte Stimmung), führe zu Schlafstörungen und ständiger Alarmbereitschaft. Der Alltag im Krieg oder unter Druck werde erlernt, nicht als Ausnahme, sondern als neuer Dauerzustand.

Einordnung

Die Stärke dieser Episode liegt in ihrem dokumentarischen Wert: Sie lässt Korrespondentinnen selbst zu Wort kommen und macht die konkreten, oft schleichenden Einschränkungen ihrer Arbeit erfahrbar – von der israelischen Militärzensur, die scheinbar technische Sicherheitsbedenken vorschiebt, bis zum strategischen Akkreditierungsentzug in den USA, der wie eine disziplinierende Maßnahme wirkt. Dass Sophie von der Tann detailliert schildert, wie sie aus dem Bunker heraus in Echtzeit die Zensur von Einschlagsorten auf Social Media beobachtet, veranschaulicht das Dilemma zwischen Sicherheitslogik und Informationsanspruch auf eindrückliche Weise.

Kritisch anzumerken ist, dass die persönlichen Bewältigungsstrategien – Rückgrat zeigen, sich nicht einschüchtern lassen – im Vordergrund stehen, während strukturelle Gegenstrategien jenseits von „Solidarität untereinander" kaum thematisiert werden. Die problematischen Arbeitsbedingungen erscheinen so als individuelle Herausforderung. Zudem wird die eigene Rolle im Nachrichtenfluss nicht hinterfragt: Die Reduzierung journalistischer Arbeit auf „sagen, was ist" blendet aus, dass jede Auswahl und Gewichtung von Nachrichten eine journalistische Setzung ist. Perspektiven von Menschen in den Berichtsgebieten, die unter diesen Informationsbeschränkungen leben, werden nicht eingeholt – es bleibt ein Gespräch über Betroffene, nicht mit ihnen.