Die Episode „Untreue" (Infidelity) versammelt persönliche Erzählungen über Seitensprünge aus unterschiedlichen Perspektiven. Eingangs analysieren Ira Glass und Jessica Pressler, wie der New York Times-Hochzeitsteil Affären als romantische Schicksalsgeschichten rahmt und die betrogenen Ex-Partner:innen unsichtbar macht. Der Hauptteil folgt Ruby Wright, die ihre eigene Familie interviewt: ihre Mutter Al, den Vater George und Andrew, den Mann, der die Familie spaltete. Ergänzt wird dies durch James Bralys humorvolle Live-Story über Versuchung auf einem Italien-Urlaub und Etgar Kerets literarische Kurzgeschichte über die Nachwehe einer Affäre. Als selbstverständlich wird dargestellt, dass Untreue ein universelles, fast unvermeidliches Erlebnis sei.

Zentrale Punkte

  • Hochzeitsseiten normalisieren Affären Pressler beobachte, dass der Hochzeitsteil der New York Times Paare porträtiere, die ihren Seitensprung als Liebesgeschichte erzählen. Die Betrogenen kämen nicht zu Wort; ihre Existenz werde durch Euphemismen wie „holprige Straße" wegretuschiert.

  • Familiäre Zerrüttung durch Liebeswahn Al beschreibe, wie sie während des Todes ihres Vaters in Andrew verliebt worden sei und sich wie in einem Rausch von ihrer Familie entfernt habe. Die Folge seien fünf Jahre Entfremdung von ihrer Tochter und das Ende beider Beziehungen gewesen.

  • Versuchung und Entscheidung Braly erzähle humorvoll von einem Italien-Urlaub, in dem er einer attraktiven Französin widerstehe. Seine Körperunsicherheit und sein Festhalten an Susan werden als Metapher für die Entscheidung gegen Untreue präsentiert.

Einordnung

Die Episode zeichnet sich durch vielschichtige Perspektivenführung aus: Betrogene, Betrügende und deren Kinder kommen zu Wort, was die Komplexität jenseits simpler Verurteilung greifbar macht. Besonders Ruby Wrights eigene Interviews mit ihrer Familie sind bemerkenswert – sie machen die fortwirkenden Verletzungen und die unfassbare Selbsttäuschung aller Beteiligten hörbar. Die analytische Einordnung der Hochzeitsseiten-Rhetorik zeigt präzise, wie Sprache emotionale Kollateralschäden unsichtbar macht.

Die statistischen Behauptungen zu Untreue (50 Prozent aller Beziehungen) werden ohne kritische Einordnung der Studienmethodik präsentiert. In Bralys Geschichte wird France auf ihre Körperlichkeit reduziert, was die männliche Perspektive verstärkt. Die Stimmen der betrogenen Partner:innen bleiben in den beiden letzten Geschichten weitgehend außen vor. Für Hörer:innen, die persönliche Narrative über Beziehungskrisen schätzen, bietet die Episode berührende Momente – kritische Distanz zu den präsentierten Zahlen und Geschlechterklischees ist jedoch angebracht.

Sprecher:innen

  • Ira Glass – Moderator
  • Jessica Pressler – Journalistin
  • Ruby Wright – Illustratorin und Autorin, Tochter der Familie
  • Al – Rubys Mutter
  • George – Rubys Vater
  • Andrew – Rubys Nachbar, Affäre von Al
  • James Braly – Autor und Geschichtenerzähler
  • Matt Malloy – Schauspieler (liest Etgar Kerets Geschichte)