Die SRF-Reportage beleuchtet das Phänomen True Crime aus unterschiedlichen Perspektiven. Host Michael Bolliger kontrastiert die Produktionsweise des Podcasts «True Crime Schweiz» mit den Motiven weiblicher Fans und der strikten Ablehnung durch einen Ex-Polizisten. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen sachlicher Berichterstattung und emotionalisierender Unterhaltung verhandelt. Als selbstverständlich wird dabei in der Sendung zumeist vorausgesetzt, dass Gewalttaten ein legitimes öffentliches Konsumgut darstellen. Der Streitpunkt verbleibt im Mainstream-Konsens der Medienethik: Es geht lediglich um das „Wie“ – also darum, dass Verbrechen ausreichend seriös, respektvoll und "journalistisch" aufbereitet werden müssten, um ihre Publikation zu rechtfertigen. ### Zentrale Punkte * **Faszination und passiver Selbstschutz** Hörerinnen wie Salima würden True Crime konsumieren, um reale Geschichten zu erleben, mitzuraten und sich gedanklich auf mögliche Gefahrensituationen im eigenen Alltag vorzubereiten. * **Sachlichkeit als journalistisches Ideal** Die SRF-Hosts Drosner und von Wartburg argumentierten, dass sie durch sachliche Distanz statt emotionaler Überhöhung gesellschaftlich relevante Muster hinter den Verbrechen aufzeigen könnten. * **Kritik an der Kommerzialisierung** Der ehemalige Polizeisprecher Krüsi halte dagegen, dass Verbrechen niemals der Unterhaltung dienen dürften, da die mediale Aufbereitung stets tiefe Eingriffe in die Privatsphäre der Opfer bedeute. ### Einordnung Die Reportage liefert eine gelungene Gegenüberstellung verschiedener Haltungen zum True-Crime-Boom, indem sie die Konsumseite, die Produktionsseite und eine kritische Stimme aus der Polizeipraxis einbindet. Auffällig ist jedoch, wie die SRF-Podcast-Macher:innen ihre eigene Arbeit legitimieren: „Am Schluss hätte ja jeder Kriminalfall ähm gesellschaftspolitische Dimension“, wird im Gespräch argumentiert. Mit diesem Frame wird die fundamentale ethische Kritik des Ex-Polizisten rhetorisch umgangen und die Aufarbeitung von realem Leid als wertvoller journalistischer Bildungsauftrag normalisiert. Dass das Genre True Crime auch für öffentlich-rechtliche Sender ein Instrument zur Reichweitensteigerung in einem lukrativen Markt ist, bleibt bei der ethischen Selbstreflexion der Akteur:innen unerwähnt. ### Sprecher:innen * **Michael Bolliger** – Host und Autor der SRF-Reportage * **Salima** – Primarlehrerin und begeisterte True-Crime-Hörerin * **Ramona Drosner** – Co-Host des SRF-Podcasts «True Crime Schweiz» * **Matthias von Wartburg** – Co-Host des SRF-Podcasts «True Crime Schweiz» * **Corina Perchtold-Stefan** – Psychologin an der Universität Graz * **Hanspeter Krüsi** – Ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen