Im Gespräch mit Rixa Fürsen von POLITICO schildert Niddal Salah-Eldin, Aufsichtsrätin von UNICEF Deutschland und Mitglied des deutschen Sudan-Netzwerks, die Lage im Sudan. Drei Jahre nach Kriegsbeginn beschreibe sie eine Katastrophe, die vor allem durch internationale Akteure befeuert werde. Die Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch Saudi-Arabien, Ägypten und Russland verfolgten dort eigene wirtschaftliche und geostrategische Interessen – von Gold und Rohstoffen bis zur Kontrolle von Handelswegen am Roten Meer. Vor diesem Hintergrund habe die Bundesregierung Mitte April eine internationale Sudan-Konferenz in Berlin ausgerichtet, bei der die sogenannten Berlin Principles verabschiedet wurden.

Zentrale Punkte

  • Ein Krieg mit vielen Vätern Der Konflikt sei nicht nur ein Machtkampf zweier Generäle, sondern ein Stellvertreterkrieg. Ohne die Waffenlieferungen und die logistische Unterstützung von außen, insbesondere durch die Vereinigten Arabischen Emirate, hätte der Krieg längst beendet sein können, so die Analyse der Expertin.
  • Rohstoffe und Geostrategie als Kriegstreiber Für die externen Akteure gehe es um wirtschaftliche Vorteile: Gold, das wertvolle Akazienharz (Gummi Arabicum) und die Sicherung von Lebensmittel-Importen aus dem fruchtbaren Agrarland. Der Sudan werde als eine Art „Vorgarten“ betrachtet, in dem nationale Agenden auf Kosten der Zivilbevölkerung durchgesetzt würden.
  • Berlin Principles als neuer Handlungsrahmen Die Konferenz habe 1,5 Milliarden Euro mobilisiert und einen Fahrplan für den Frieden hervorgebracht. Zentral sei das Prinzip Nummer 5: „Jegliche direkte oder indirekte Unterstützung von außerhalb Sudans, die die Fortsetzung dieses Konflikts ermöglicht, muss beendet werden.“ Entscheidend sei nun das entschlossene Nachhalten dieser Selbstverpflichtung.

Einordnung

Die Episode leistet eine dichte und faktenbasierte Einordnung eines Konflikts, der in der öffentlichen Wahrnehmung kaum stattfindet. Die Gesprächspartnerin verknüpft die humanitäre Dimension mit geopolitischen und ökonomischen Interessen und macht so die Mechanismen des Stellvertreterkriegs verständlich. Sie vermittelt glaubwürdig die Dringlichkeit politischen Handelns jenseits von bloßer humanitärer Hilfe und benennt Ross und Reiter. Ihr sachlicher, an Kennzahlen orientierter Stil – „Hoffnung ist kein KPI“ – durchbricht die oft lähmende Fassungslosigkeit angesichts der Katastrophe.

Die Analyse der politischen Ökonomie des Krieges bleibt jedoch an einem entscheidenden Punkt vage. Die Frage, was die engen Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands und Europas zu den als Kriegstreiber benannten Staaten für die eigene Glaubwürdigkeit bedeuten, wird kaum problematisiert. Die Rolle Deutschlands geriert sich im Gespräch als die eines „ehrlichen und glaubwürdigen Vermittlers“ – eine Zuschreibung, die ungeprüft im Raum stehen bleibt, obwohl Waffen aus den Emiraten im Sudan auftauchen und Deutschland selbst ein bedeutender Wirtschaftspartner ist. So bleibt das eigentlich politische Dilemma, das Rixa Fürsen gegen Ende kurz anspricht, analytisch unterbelichtet.

Hörempfehlung: Für alle, die eine kompakte und kundige Übersicht über den vergessenen Krieg im Sudan und die neue Rolle Berlins suchen, lohnt sich das Hören unbedingt.

Sprecher:innen

  • Niddal Salah-Eldin – Aufsichtsrätin von UNICEF Deutschland, Mitglied des deutschen Sudan-Netzwerks
  • Rixa Fürsen – Host des POLITICO Security Update