Der Newsletter von Public Notice, verfasst von David Klion unter Herausgeber Aaron Rupar, zeichnet nach, wie Vizepräsident JD Vance das Debakel des irregulären Iran-Kriegs der Trump-Regierung in einen diplomatischen „Friedensdeal“ ummünzt, der dem iranischen Regime massive finanzielle Ressourcen und vor allem internationale Anerkennung verschaffen soll. Klion ordnet diesen Schachzug in eine längere ideologische Entwicklungslinie ein, die bis zum präfaschistischen America First Committee der 1940er Jahre zurückreicht. Vance habe, so das zentrale Argument, Charles Lindberghs Bewunderung für Diktatoren und deren rassistische, antisemitische Stärke in eine zeitgemäße außenpolitische Vision übersetzt. Anders als Trump, der bloß eine Vorliebe für Autokraten hege, verfolge Vance systematisch das Ziel, die USA ins Zentrum einer Partnerschaft autoritärer Regime zu rücken.
Der Text rekonstruiert, wie Vance bereits 2022 als Senatskandidat mit Unterstützung von Milliardär Peter Thiel begann, seine Putin-Freundlichkeit zu enthüllen, und später im Senat jede Ukraine-Hilfe ablehnte. Aus Russlands blutiger Allianz mit Iran und der Hisbollah leitete Vance eine ähnliche Nachsicht gegenüber der Islamistischen Diktatur ab: „Our interest, I think very much, is in not going to war with Iran“ – ein Satz, mit dem er Militärkritiker:innen pauschal als „militaristisch“ brandmarkte. Nachdem Trump im Februar einen völkerrechtswidrigen Bombenkrieg gegen Iran verloren hatte, nutzte Vance die Kapitulation, um die Verhandlungen persönlich zu führen. Unter dem Deal könnten Irans Machthaber, die seit Jahrzehnten auf Terrorismus und Stellvertreterkriege setzen, plötzlich zu legitimen Akteur:innen in internationalen Märkten aufsteigen – genau das, was Vance für Putin anstrebt, aber bislang nicht erreichen konnte.
Der Newsletter zeigt, wie sehr diese Strategie durch demokratische Erfolge ins Wanken geraten ist: die AfD verlor Wahlen, Orbán wurde abgewählt, die Ukraine hält stand. Der Iran-Deal könnte jedoch Vances autoritäres Projekt wiederbeleben. Klion zitiert Vance mit der Mutmaßung, Irans Herrscher „coalescing“ um einen Wunsch nach „Frieden“ und vor einer „Transformation“ stünden. Tatsächlich, so die Kritik, gebe es null Belege für solche Veränderungen – vielmehr sei es Vance, der die US-Politik transformieren wolle. Die Aussicht, dass der aussichtsreichste republikanische Präsidentschaftskandidat offen ein Bündnis mit repressivsten Regimen anstrebt, sei erschütternd, bleibe aber durch den Unmut im Kongress und die Unberechenbarkeit Trumps ungewiss.
Einordnung
Die Analyse steht fest in einem liberalen, anti-autoritären Spektrum und stilisiert Vance zum ideologischen Kopf einer faschismusfreundlichen Bewegung. Starke Begriffe wie „nihilistische Gewalt“ und „amoralische Gewaltherrschaft“ dienen der Mobilisierung, blenden aber realpolitische Stimmen aus, die Deeskalation mit Iran befürworten könnten. Der historische Vergleich mit dem America First Committee wirft ein düsteres Licht, beruht jedoch eher auf strukturellen Parallelen als auf direkten Belegen für neo-faschistische Absichten. Unausgesprochen bleibt die Prämisse, dass jede Annäherung an Iran und Russland per se zur Legitimierung von Unrecht führt; damit werden diplomatische Spielräume eingeengt. Argumentative Schwächen zeigen sich dort, wo die Ablehnung des Deals fast ausschließlich auf moralischer Verurteilung fußt, statt auf einer Analyse der sicherheitspolitischen Alternativen.
Für Leser:innen, die die autoritären Tendenzen der Trump-Administration und die strategische Rolle von JD Vance verstehen wollen, ist der Text aufschlussreich und mit klarer Quellenbasis versehen. Wer jedoch eine ergebnisoffene Diskussion über Iran-Diplomatie sucht, findet hier eine einseitige Darstellung, die mit düsteren Analogien eher warnt als abwägt.