Blood in the Machine: Actually, the left is winning the AI debate
Eine radikal linksgerichtete Analyse, die KI als kapitalistisches Herrschaftsinstrument kritisiert und zur aktiven Gegenwehr bis hin zur Sabotage aufruft.
Blood in the Machine
23 min readDer Autor und Journalist Brian Merchant widerspricht in seinem Newsletter der in Tech-Kreisen kursierenden These, die politische Linke würde die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz verschlafen. Er argumentiert, dass linksliberale Akteur:innen die öffentliche Debatte derzeit dominieren würden. Als Beleg führt Merchant an, dass die Mehrheit der Bürger:innen besorgt über KI sei und sich landesweit Koalitionen gegen den Bau ressourcenintensiver Rechenzentren bilden würden. Zudem verweist er auf den Streik der Drehbuchautor:innen im Jahr 2023 sowie auf zahlreiche Gesetzesinitiativen zur KI-Regulierung. Merchant stellt fest, dass die Kritik der Linken nicht auf Unwissenheit basiere, sondern eine bewusste Ablehnung darstelle.
Wenn Nutzer:innen KI-Modelle als Plagiatsmaschinen bezeichnen würden, sei dies eine valide Kritik an den materiellen Schäden der Technologie. Die Linke begreife KI korrekterweise als Bedrohung für Arbeitsplätze, von der fast ausschließlich KI-Konzerne profitieren würden. Der Autor beschreibt das Vorgehen der Tech-Oligarchen als Versuch, einen massiven Vermögenstransfer von der Arbeiterklasse zu den Reichen zu orchestrieren. Merchant fordert: "The left must confront the entire political economy of AI at once, not just consider the core technology". Er schlägt provokant vor, anstelle von Arbeiter:innen lieber die Vorstandsetagen von Tech-Unternehmen zu automatisieren. Im weiteren Verlauf befürwortet Merchant offen physische Sabotageakte, feiert die Zerstörung von Überwachungskameras durch Aktivist:innen und verabschiedet sich mit dem Gruß, Hämmer und Bolzenschneider bereitzuhalten.
## Einordnung
Der Text ist von einer antikapitalistischen Ideologie geprägt, die Technologie konsequent als Herrschaftsinstrument des Kapitals rahmt. Merchant nutzt ein klares Wir-gegen-die-Framing, bei dem eine vereinte, moralisch überlegene Linke den profitgierigen Tech-CEOs und ihren rechten Verbündeten gegenübersteht. Differenzierte Stimmen, die potenzielle gesellschaftliche Nutzen von KI jenseits der Profitlogik sehen, werden konsequent ausgeblendet. Äußerst kritisch zu bewerten ist die offene Normalisierung und Verherrlichung von Sachbeschädigung als legitimes politisches Mittel, was die Ebene des demokratischen Diskurses verlässt.
Trotz der argumentativen Einseitigkeit greift der Newsletter hochrelevante Fragen zur Machtkonzentration im Silicon Valley und den Folgen der Automatisierung auf. Die Ausgabe ist für ein politisch linkes Publikum lesenswert, das nach einer parteiischen Kritik am Tech-Hype sucht. Aufgrund der alarmistischen Tonalität und der expliziten Befürwortung von Sabotage ist der Text für Leser:innen, die ausgewogene Analysen bevorzugen, jedoch mit einer klaren Lesewarnung zu versehen.