In dieser Episode diskutieren Ileana Grabitz und Peter Dausend mit dem Lateinamerikaexperten Bert Hoffmann über die akute Versorgungs- und Energiekrise in Kuba. Den Aufhänger bildet die verschärfte Sanktionspolitik der USA unter Donald Trump, insbesondere das drastische Öl-Embargo. Die Moderation geht von der Prämisse aus, dass Kuba historisch – besonders für die politische Linke – stark romantisiert worden sei, was nun mit der harten Realität vor Ort kontrastiert werde. Die Diskussion beleuchtet das ungleiche Machtverhältnis zwischen den USA und dem Karibikstaat. Dabei wird die Logik ökonomischer Sanktionen als Mittel zum Regimewechsel zwar problematisiert, aber als faktischer Hebel der US-Außenpolitik als gegeben hingenommen. Der Fokus liegt auf den Handlungsoptionen der politischen Eliten, während die Zivilgesellschaft primär als reagierende Instanz und als Leidtragende des Konflikts gerahmt wird. ### Zentrale Punkte * **Dramatische Versorgungsengpässe** Hoffmann berichte, dass das US-Ölembargo den kubanischen Alltag massiv lähme. Die ausbleibenden Importe führten zu gravierenden Ausfällen bei Transport, medizinischer Versorgung und Nahrungsmitteln. * **Rückfall in alte Doktrinen** Die aggressive US-Außenpolitik unter Trump folge der Logik der Monroe-Doktrin, analysiere der Experte. Ziel sei es, die kubanische Regierung symbolisch zu demütigen und zur Aufgabe zu zwingen. * **Fehlendes politisches Konzept** Sowohl den USA als auch der kubanischen Führung mangele es an einer tragfähigen Zukunftsvision. Trump drohe ohne Plan für die Zeit danach, während Präsident Díaz-Canel nur als schwacher Verwalter wirke. * **Resignation der Bevölkerung** Der politische Unmut der Kubaner:innen richte sich gleichermaßen gegen Washington und Havanna. Aus Angst vor Repressionen und mangels Alternativen bleibe organisierter Protest jedoch weitgehend aus. ### Einordnung Die Episode besticht durch die tiefe Sachkenntnis des Gastes, der die geopolitischen Spannungen mit konkreten Alltagsbeobachtungen aus Kuba verzahnt. Besonders gelungen ist die fundierte historische Kontextualisierung der US-Sanktionspolitik. Auffällig ist jedoch ein vorherrschender geopolitischer Frame: Der Konflikt wird fast ausschließlich als Schachspiel zwischen den USA und der kubanischen Staatsführung diskutiert. Wenn Trump mit den Worten zitiert wird, er könne mit Kuba machen, was er wolle („I think I could do anything I want with it“ / Übersetzung: „Ich denke, ich könnte damit machen, was ich will“), wird diese imperiale Rhetorik zwar moralisch verurteilt, sie strukturiert aber dennoch den gesamten weiteren Gesprächsverlauf über mögliche Übernahmeszenarien. Die Zivilgesellschaft kommt vorwiegend als passive, erduldende Masse vor; erst am Schluss wird ihr eine eigene Resilienz zugeschrieben. **Hörempfehlung**: Lohnenswert für alle, die eine fundierte historische und machtpolitische Einordnung des US-kubanischen Verhältnisses jenseits romantisierender Klischees suchen. ### Sprecher:innen * **Ileana Grabitz** – Co-Moderatorin und Journalistin * **Peter Dausend** – Co-Moderator und politischer Korrespondent der ZEIT * **Bert Hoffmann** – Lateinamerikaexperte am Giga-Institut, spezialisiert auf Kuba