Fußballweltmeisterschaften sind mehr als Sport – sie sind politische Bühnen, auf denen Macht verhandelt wird. Die Episode nimmt die unmittelbar bevorstehende WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zum Anlass, um den Zustand des Turniers zu vermessen. Im Gespräch mit dem Journalisten Ashish Malhotra wird die WM als ein Ereignis dargestellt, das von tiefen Widersprüchen geprägt sei: zwischen globaler Feier und lokaler Ausgrenzung, zwischen offizieller Neutralität und politischer Vereinnahmung.
Die Diskussion setzt den ökonomischen Rahmen als selbstverständlich voraus: Ticketpreise, Marktlogik und Kommerz werden zwar kritisiert, aber als gegebene Realität behandelt. Gleichzeitig wird die Rolle von Donald Trump als zentraler Störfaktor beschrieben, der die WM nicht nur politisch instrumentalisiere, sondern in ihrer Grundidee gefährde.
Zentrale Punkte
- Trump nutzt die WM als Ablenkungsmanöver Die Trump-Regierung bringe sich massiv in die WM ein, um von Krieg, Abschiebungen und Wirtschaftsproblemen abzulenken, so Malhotra. FIFA-Präsident Infantino spiele dabei mit und verleihe Trump sogar einen Friedenspreis.
- Reiseverbote und Krieg prägen das Turnier Trumps Politik beeinflusse die WM direkt: Fans aus visumsbeschränkten Ländern wie Iran könnten nicht anreisen. Dass die USA als Gastgeber ein teilnehmendes Land bombardierten, sei beispiellos und mache die versprochene verbindende Kraft des Fußballs zunichte.
- Ticketpreise schließen die lokale Bevölkerung aus Wiederverkaufteickets erreichten absurde Höhen – die günstigsten lägen bei 600 Dollar. Malhotra nennt den Zustand eine „kapitalistische Höllenlandschaft". Die Begeisterung vor Ort werde dadurch untergraben, selbst wenn viele Menschen durch öffentliche Watchpartys teilhätten.
Einordnung
Die Episode leistet eine präzise Darlegung der politischen Widersprüche, die diese WM umgeben. Malhotra verwebt souverän sportliche, wirtschaftliche und menschenrechtliche Perspektiven und benennt klar die historischen Parallelen zu autoritären Regimen, die Sportevents zur Imagepflege nutzten. Die Verbindung von struktureller FIFA-Kritik, aktueller US-Politik und den konkreten Auswirkungen auf Fans und Teams macht die Analyse greifbar und journalistisch gehaltvoll.
Allerdings wird von einer selbstverständlichen Dichotomie ausgegangen: hier der verbindende Sport, dort die zerstörerische Politik – als ließe sich beides sauber trennen. Dass auch der entpolitisierte Sport selbst, seine Marktlogik und die FIFA-Strukturen Teil dieses Problems sind, wird zwar gestreift, aber nicht vertieft. Die Perspektive von Fans aus betroffenen Ländern, etwa aus dem Iran, oder von undokumentierten in den USA wird nicht direkt eingeholt, was die Analyse nah an der Beobachtung, aber etwas distanziert von den Betroffenen hält. Malhotras Bemerkung, jemand habe die Ticketlage eine „capitalist hellscape" genannt, zeigt zwar die drastische Auswirkung der Kommerzialisierung, bleibt aber ein zugespitzter Einwurf, ohne dass alternative Modelle oder konkrete Lösungen diskutiert würden.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie tief Politik und Geld den modernen Fußball durchdringen – und warum diese WM anders klingt als frühere Turniere.
Sprecher:innen
- Malika Bilal – Moderatorin von The Take, Al Jazeera
- Ashish Malhotra – Journalist, ehemaliger Produzent von The Take, Host des Soccernomics Podcasts