Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig: #49 Hormontherapie: Demenzangst und Herzinfarktrisiko
Hormontherapie in den Wechseljahren: Risiken, Mythen und praktische Tipps von der Expertin.
Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig
74 min read3890 min audioIn dieser Folge des Podcasts *Hormongesteuert* beantwortet die Gynäkologin und Hormonexpertin Dr. Katrin Schaudig Fragen von Hörerinnen zu Hormontherapien in den Wechseljahren. Im Fokus stehen aktuelle Studien, individuelle Anwendungsfälle und verbreitete Missverständnisse. Dabei wird deutlich, dass Hormontherapien oft pauschal bewertet werden – etwa als Schutz vor Demenz oder Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen –, obwohl ihre Wirkung stark von Faktoren wie Darreichungsform, Dosierung und individuellem Gesundheitszustand abhängt. Die Diskussion zeigt auch, wie medizinische Empfehlungen zwischen Fachkreisen und Laienpresse auseinanderklaffen und welche Rolle Selbstwahrnehmung und ärztliche Beratung spielen.
### Zentrale Punkte
* **Diabetes und Hormontherapie: Risiko oder Schutz?**
Die Episode thematisiere eine Studie, die bei Frauen mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch geschluckte Hormone nahelege. Transdermale Anwendungen (z. B. Östrogengel) würden dieses Risiko nicht erhöhen. Der präventive Nutzen von Hormonen hänge vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab: Früh eingesetzt, könnten sie schützen, später jedoch das Risiko für Gefäßschäden erhöhen.
* **Demenzprävention durch Hormone?**
Eine Metaanalyse zeige, dass Hormontherapien weder vor Demenz schützen noch das Risiko erhöhen. Die Wirkung sei unklar, da Untergruppen unterschiedlich profitieren könnten. Die Expertin betone, dass die amerikanische FDA hier eine zu optimistische Haltung einnehme, während die Datenlage ambivalent bleibe.
* **Hormontests: Sinnvoll oder überbewertet?**
Freiverkäufliche Speichel- oder Urintests zur Bestimmung von Hormonwerten (z. B. FSH oder AMH) würden als unzuverlässig eingestuft. Die Werte schwankten in den Wechseljahren stark, und die Tests seien oft nicht validiert. Entscheidend seien stattdessen die Symptome der Patientinnen, nicht Laborwerte.
* **Individuelle Therapieanpassungen**
Die Episode gehe auf konkrete Fälle ein, etwa die Umstellung von Verhütungsspritzen auf Gestagen-Monopillen oder die Anwendung von Testosteron-Gel. Dabei werde betont, dass Therapien regelmäßig überprüft und an die Bedürfnisse der Patientinnen angepasst werden müssten – etwa durch Dosisanpassungen oder Wechsel der Darreichungsform.
### Einordnung
Die Episode überzeugt durch ihre praxisnahe und differenzierte Darstellung: Dr. Schaudig erklärt komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und vermeidet pauschale Empfehlungen. Besonders gelungen ist die Einordnung von Studien, deren Ergebnisse oft reißerisch verkürzt werden – etwa durch Medien oder Behörden. Kritisch bleibt, dass die Perspektive der Patientinnen zwar durch Hörerinnenfragen eingebunden wird, aber keine systematische Reflexion über strukturelle Hürden (z. B. Zugang zu spezialisierten Ärzt:innen) stattfindet. Zudem werden alternative Therapieansätze (z. B. pflanzliche Mittel) nur am Rande erwähnt. Die Folge eignet sich vor allem für Frauen in den Wechseljahren, die fundierte Informationen suchen, um mit ihren Ärzt:innen auf Augenhöhe zu diskutieren.
**Hörempfehlung**: Für alle, die sich über Hormontherapien in den Wechseljahren informieren möchten – besonders, wenn sie sich von widersprüchlichen Studien oder Medienberichten verunsichert fühlen.
### Sprecher:innen
* **Dr. Katrin Schaudig** – Gynäkologin, Hormonexpertin und Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft
* **Katrin Simonson** – Moderatorin und Redakteurin beim Nachrichtenradio MDR Aktuell