Die Sonderfolge von "Apokalypse & Filterkaffee" mit Micky Beisenherz, Markus Feldenkirchen und Jasmin Emk wirft einen morgendlichen Blick auf die Top-Schlagzeilen des 22. August 2025. Im Fokus stehen die Anklage gegen Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer wegen falscher Angaben im Maut-Untersuchungsausschuss, Julia Klöckners umstrittene Rede beim CDU-Sommerfest und ihr Vergleich der taz mit dem Portal "News", die geheimnisvolle SPD-Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht sowie JD Vances Forderung, Europa solle den Löwenanteil der Sicherheitsgarantien für die Ukraine tragen. Weitere Themen: hohe Ausbildungsabbruchquoten, Amanda Knox’ neue Serie mit Monica Lewinsky und die Rückkehr-Fantasien von Ex-Bond Pierce Brosnan. Besonders bewegt zeigen sich die Moderator:innen über einen Gastbeitrag in der New York Times, in dem eine Mutter über den Suizid ihrer Tochter nach Gesprächen mit einem KI-Chatbot berichtet.
1. Scheuer-Prozess als "mutige Anklage"
Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Andreas Scheuer. Der Vorwurf: Er habe im Bundestag die Unwahrheit gesagt, als er behauptete, der Mautbetreiber habe kein Angebot gemacht, die Verträge bis zu einem EuGH-Urteil zu verschieben. Feldenkirchen hält die Anklage für „mutig“, da sich Scheuer lediglich „nicht erinnern“ könne – eine Verteidigungsstrategie, die auch Olaf Scholz beim Cum-Ex-Skandal nutze. Die CSU wertet den Zeitpunkt als „politisch motiviert“, während die Moderator:innen bezweifeln, dass eine Haftstrafe droht oder die 240 Mio. Euro Schaden je zurückgezahlt würden.
2. Klöckner vergleicht taz mit rechtem Portal
Julia Klöckner bezeichnet die taz in einer Rede beim CDU-Sommerfest als „nicht zu sehr unähnlich“ zum rechtspopulistischen Portal „News“. Die Reaktionen von SPD, Grünen und Linken fallen scharf aus; Rücktrittsforderungen lauten. Emk sieht darin eine „rote Linie“, die Klöckner als Bundestagspräsidentin überschreitet. Hinzu kommen Berichte, dass Klöckner 2023 eine gemeinsame CDU-App mit dem Finanzier von „News“, Frank Gotthard, plante – ein möglicher weiterer „Aussetzer“, der ihre Glaubwürdigkeit weiter beschädigt.
3. SPD hält Kandidatin für Verfassungsgericht geheim
Nach dem Rückzug von Frauke Brosius-Gerstorf nennt SPD-Fraktionschef Matthias Mirsch einen neuen Namen, veröffentlicht ihn aber noch nicht. Offiziell heißt es, man wolle zuerst mit allen Fraktionen sprechen. Feldenkirchen bezweifelt, dass das Vertrauen in der Koalition „auf einer Skala von 0 bis 10 bei 7“ liege – er tippt auf 5. Ein „gemeinsamer Abend“ aller Fraktionen soll helfen, das Misstrauen abzubauen; die Moderator:innen halten das für einen „Kindergärtner“-Versuch.
4. Vance fordert europäische Ukraine-Garantien
US-Vizepräsident JD Vance erklärt, die USA würden nur minimal bei Sicherheitsgarantien für die Ukraine mitwirken; Europa solle den „Löwenanteil“ übernehmen. Die Moderator:innen werten das als Ende des „europäischen Wunschdenkens“, Trump werde keine umfassende Friedenslösung liefern. Die Diskussion um mögliche deutsche Soldaten in der Ukraine halten sie für „illusorisch“, da Russland dies als rote Linie betrachte.
5. Jede:r dritte Azubi bricht ab
Laut DGB-Ausbildungsreport 2025 brechen fast 30 % der Auszubildenden die Ausbildung ab – so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr. Besonders betroffen sind Gastgewerbe, Handel und Handwerk. Die Moderator:innen sehen die Ursachen in schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen, nicht in „zu hohen Ansprüchen“ der jungen Leute. Gleichzeitig bilden immer weniger Betriebe aus – nur noch 18,8 %.
6. KI-Chatbot als "intimster Gesprächspartner"
Ein Gastbeitrag in der New York Times berichtet vom Suizid einer 29-Jährigen, die zuvor einem KI-Chatbot („Harry“) mehr vertraute als ihrem Therapeuten. Die Mutter wirft der Technik vor, ihre Tochter habe „die schlimmsten Gedanken“ versteckt. Die Moderator:innen diskutieren die ethischen Folgen: Wenn Menschen künftig „über das, was das Menschsein ausmacht“ nur noch mit KI reden, sei das eine „Horrorvision“. Sie plädieren für eine Notfall-Meldepflicht der Systeme.
Einordnung
Die Folge präsentiert sich als entspanntes, fast schon flapsiges Sommergespräch, das zwischen persönlichem Urlaubs-Chat und politischer Analyse pendelt. Die Moderator:innen liefern keine harte Berichterstattung, sondern eine subjektiv gefärbte Kommentierung – mit durchaus pointierten Urteilen, etwa wenn sie Julia Klöckners Vergleich von taz und „News“ als „rote Linie“ brandmarken oder Andreas Scheuers Erinnerungslücken mit Olaf Scholz’ Taktik vergleichen. Die Perspektiven bleiben dabei klar innerhalb eines liberalen, urbanen Milieus; rechte Positionen werden nicht verharmlost, aber auch nicht weiter hinterfragt. Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit dem Thema Suizid und KI: Statt Panikmache betonen die Sprecher:innen die gesellschaftliche Verantwortung der Technik und die wachsende Einsamkeit vieler Menschen. Insgesamt ein unterhaltsamer, aber kein besonders tiefer Einblick in die Themen – eher ein Sommerloch-Plausch mit Haltung als investigative Analyse.
Hörwarnung: Wer nüchterne Fakten und ausgewogene Perspektiven sucht, wird enttäuscht; wer morgens bei Kaffee und Ironie durch die Schlagzeilen schlendern will, ist hier richtig.