Das Altpapier: Kolumne: Das Altpapier am 24. März 2026 – Gute Medienpolitik wäre echt wichtig
Eine scharfsinnige Analyse über die zahnlose Regulierung digitaler Gewalt und die parteipolitischen Machtspiele im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Das Altpapier
18 min readDer Medienjournalist Christian Bartels analysiert in der MDR-Kolumne "Das Altpapier" medienpolitische Umbrüche und rechtliche Herausforderungen. Zunächst widmet er sich den Folgen der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Durch Verluste der SPD stehe die wichtige Medien-Staatssekretärin Heike Raab vor dem Aus. Dies hinterlasse eine Lücke in der bundesweiten Rundfunkkommission, wo ungelöste Probleme wie der "Digitale Medien-Staatsvertrag" lägen.
Ein Schwerpunkt ist die Debatte um "digitale Gewalt" und Deepfakes, ausgelöst durch Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes. Bartels skizziert Pläne zur Strafbarkeit von diskreditierenden Deepfakes und zieht internationale Vergleiche, wie ein italienisches Gesetz gegen den "hinterlistigen Einsatz von KI". Er äußert jedoch massive Zweifel an der Durchsetzbarkeit gegen globale Tech-Konzerne. Der Autor zitiert kritische Stimmen, die geplante Paragrafen als "Reine Show" bezeichnen, da der überlastete Rechtsstaat die "gigantische Flut" der Plattformen ohnehin nicht bewältigen könne.
Zudem kritisiert Bartels die Wiederwahl des ZDF-Intendanten Norbert Himmler ohne Gegenkandidat:innen. Er bemängelt, dass sich der Fernsehrat trotz eines Verfassungsgerichtsurteils weiterhin in politische "Freundeskreise" aufteile. Dies zeige laut dem Autor, wie weit der Anspruch, "so vielfältig wie die Gesellschaft selbst" zu sein, von der Realität entfernt sei.
## Einordnung
Bartels rahmt Medienpolitik als chronisch unterschätztes, aber hochrelevantes Feld. Er nimmt eine plattformkritische Perspektive ein und entlarvt die politische Ohnmacht gegenüber Tech-Konzernen. Zwar wird der feministische Aspekt digitaler Gewalt erwähnt, der Fokus liegt jedoch stark auf institutioneller Machbarkeit, wodurch die Opferperspektive etwas in den Hintergrund rückt.
Die implizite Annahme des Textes ist, dass föderale und EU-Strukturen zu träge für eine echte digitale Regulierung seien. Zugleich dekonstruiert Bartels den Mythos des staatsfernen Rundfunks, indem er die anhaltende Parteibuchwirtschaft im ZDF schonungslos aufzeigt. Machtstrukturen werden hierbei klar benannt und hinterfragt.
Der Newsletter besitzt hohe demokratiepolitische Relevanz, da er die Lücke zwischen technologischem Missbrauch und politischer Regulierung ausleuchtet. Er ist absolut lesenswert für alle, die an strukturellen Hintergründen von Medienrecht und Plattformökonomie interessiert sind.