iRights.info: Kennzeichnungspflichten für KI-Outputs
Eine fundierte Analyse zu kommenden KI-Kennzeichnungspflichten, europäischen Regelungen und der drängenden Notwendigkeit einer neuen gesellschaftlichen Medienkompetenz.
iRights.info
11 min readDer vorliegende Newsletter des iRights.Lab, einer Organisation mit Fokus auf Urheberrecht in der digitalen Welt, widmet sich den kommenden Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte. Aufhänger ist ein Vorfall beim ZDF, das versehentlich unmarkierte KI-Bilder ausstrahlte. Der Text gliedert die KI-Transparenz in drei Dimensionen. Erstens geht es um die Trainingsdaten, bei denen Urheber:innen auf Vergütung drängen und Datenschützer:innen den Schutz personenbezogener Daten fordern. Zweitens steht die Kennzeichnung von KI-Entscheidungen in Hochrisikobereichen wie der Medizin im Fokus. Drittens behandelt der Text die sichtbare Markierung von medialen Outputs, die von der Realität kaum zu unterscheiden sind.
Da die europäische KI-Verordnung bald greift, stellt sich laut der Autor:innen nur noch die Frage nach der konkreten Ausgestaltung. Der Newsletter zitiert Entwürfe der EU-Kommission aus einem Praxisleitfaden vom Dezember 2025, die optisch an Nährwertangaben erinnern. Diskutiert wird, ob wir bald von einem "Kennzeichnungsgedöns" überflutet werden oder ob sich intuitive Symbole etablieren. Neben staatlichen Vorgaben setzen Medienhäuser und Plattformen wie Meta bereits auf Selbstverpflichtungen. Ein spannender Aspekt ist die umgekehrte Kennzeichnung durch Verfahren wie C2PA. Hierbei wird garantiert, dass Inhalte gänzlich ohne maschinelle Hilfe entstanden sind, was der Text als "Bio-Content" bezeichnet. Abschließend plädieren die Verfasser:innen für den Aufbau einer "KI-Kennzeichnungs-Literacy" in der Gesamtgesellschaft.
## Einordnung
Der Newsletter bietet einen strukturierten Überblick, ist jedoch stark von einer institutionellen und regulatorischen Perspektive geprägt. Es dominiert die Annahme, dass technische Labels und EU-Vorgaben ausreichen, um das gesellschaftliche Vertrauensproblem in digitale Medien zu lösen. Kritische Perspektiven, die die Machtkonzentration bei jenen Tech-Konzernen hinterfragen, die diese Standards mitentwickeln, bleiben gänzlich ausgeblendet. Die Verwendung des Begriffs "Bio-Content" für menschlich erstellte Werke offenbart zudem eine unreflektierte Dynamik. Es droht eine Zweiklassengesellschaft im Informationssektor, in der verifizierte menschliche Arbeit zum Luxusgut für privilegierte Medienkonsument:innen wird.
Argumentativ stützt sich der Text stark auf den Vergleich mit etablierten Warnhinweisen wie bei Medikamenten oder im Straßenverkehr. Dieser Vergleich ist jedoch lückenhaft, da KI-Outputs hochdynamisch zur Manipulation genutzt werden können. Dennoch behandelt der Text ein enorm wichtiges und demokratiepolitisches Thema. Der Newsletter ist absolut lesenswert für alle Bürger:innen und Medienschaffenden, die sich kompakt auf die anstehende Flut an KI-Symbolen und die damit verbundenen europäischen Regelungen vorbereiten wollen.