In dieser Episode des Berlin Playbook widmet sich das Team Kim Jong-un in einer biografischen Erzählung. Sie beginnt mit seiner Jugend in der Schweiz, wo er unter falschem Namen lebte, und verfolgt seinen Aufstieg zum Alleinherrscher. Die Darstellung ist stark narrativ und auf Spannung angelegt; O-Töne von Trump, Rodman oder Nachrichtensprechern ergänzen die Erzählerstimme. Als selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass Kim Jong-un ein rationaler, skrupelloser Akteur sei und Nordkorea vor allem eine Bedrohung darstelle.

Die Rahmung arbeitet mit scharfen Gegenbildern: Die Schweiz erscheint als idyllische, durchsichtige Provinz, Nordkorea als abgeschottete, rückständige Festung. Diese Gegenüberstellung strukturiert die gesamte Episode. Die nordkoreanische Bevölkerung tritt nicht als handelnde Größe auf, sondern lediglich als weinende oder hungernde Masse. Damit wird die Erzählung auf die Figur Kims zugespitzt.

Zentrale Punkte

  • Schweizer Schulzeit als Pak Un
    Kim Jong-un habe als Kind unter dem Namen Pak Un in der Schweiz gelebt und sei durch teure Nike-Schuhe, Leibwächter und einen echten Colt aufgefallen. Er habe in einer Blase des Überflusses gelebt.

  • Wahl zum Nachfolger
    Der Vater habe ihn als Jüngsten zum Nachfolger gemacht, nachdem der älteste Bruder in Ungnade gefallen und der mittlere als zu schwach galt. Nach dessen Tod habe Kim Jong-un mit brutalen Säuberungen begonnen.

  • Mord am Halbbruder Kim Jong-nam
    Er habe seinen im Exil lebenden Halbbruder 2017 am Flughafen von Kuala Lumpur mit dem Nervengift VX ermorden lassen. Das habe signalisiert, dass seine Macht überall reiche und keine Alternative zu ihm bestehe.

  • Atomwaffen und Gipfel-Show
    Sein Atomprogramm habe er mit Cyberkriminalität und russischer Hilfe ausgebaut. Die Gipfel mit Trump seien inszeniertes Theater gewesen, das ihm Anerkennung gebracht, aber nichts an der Aufrüstung geändert habe.

Einordnung

Die Episode leistet eine verdichtete, gut erzählte Einführung in Kim Jong-uns Aufstieg und die Geschichte der Kim-Dynastie. Sie verbindet biografische Anekdoten mit geopolitischen Einordnungen – etwa dem Kollaps der Sowjetunion, der Rolle Chinas und der jüngsten Zusammenarbeit mit Russland. O-Töne aus Washington und Pjöngjang lockern die Erzählung auf und machen das Thema zugänglich.

Kritisch zu sehen ist die starke Personalisierung: Kims Brutalität wird immer wieder aus seiner Kindheit erklärt, strukturelle Bedingungen bleiben blass. Die nordkoreanische Bevölkerung kommt nicht zu Wort und bleibt passive Masse. Viele Details – etwa die Hinrichtungsmethode des Onkels – werden als gesichert dargestellt, obwohl die Quellenlage unklar ist. Die Sprache ist zudem stark dramatisierend: Über die Gipfel heißt es, es wirke „weniger wie eine harte Verhandlung über Atomsprengköpfe, sondern eher wie ein Treffen zweier exzentrischer Immobilienmakler, die sich gegenseitig ihren Reichtum präsentieren.“

Hörempfehlung: Für alle, die eine kompakte, spannend erzählte Einführung in die Geschichte der Kim-Dynastie suchen, lohnt sich diese Episode.

Sprecher:innen

  • Narrator – Dokumentarische Erzählstimme der Episode
  • Gordon Repinski – Host des Berlin Playbook Podcasts