In Folge 5 der Sommerserie des F.A.Z. Podcasts für Deutschland berichtet Simon Strauss von der Lindauer Nobelpreisträgertagung. Die Leitfrage lautet, wie wir unseren Planeten retten – oder uns vor ihm. Das Format kombiniert Reportage, Streitgespräch und Interviews mit Nobelpreisträger:innen und Nachwuchsforschenden.

Strauss äußere, das Thema Klimawandel sei gesellschaftlich ermüdet und politisch abgewählt worden. Sein Co-Moderator Joachim Müller-Jung widerspreche: Es handle sich um eine Klimakatastrophe, deren Kosten stiegen. Als selbstverständlich gelte, dass der Wandel menschengemacht sei und technologische Lösungen entscheidend seien. Zugleich werde die politische Umsetzung als zentrale Hürde verhandelt.

Zentrale Punkte

  • Klimawandel als Streitfrage
    Strauss behaupte, die Gesellschaft sei des Themas überdrüssig; die Fortschrittskoalition sei wegen Eingriffen ins Privatleben abgewählt worden. Müller-Jung entgegne, nicht Klimawandel, sondern Klimakatastrophe sei das treffende Wort, die Kosten stiegen für alle.
  • Technologische Hoffnungsträger
    Benjamin List forsche an der CO2-Spaltung mit Sonnenenergie, um Kohlenstoff und Sauerstoff zu gewinnen. Lisa Hitzel simuliere Elektrokatalyse, um CO2 in Industrierohstoffe umzuwandeln. Beide betonten, diese Ideen seien riskant, aber möglich.
  • Energie als Schlüssel
    Stephen Chu erkläre, die Abkehr von fossilen Energien sei Voraussetzung für Klimaschutz. Er kritisiere die US-Rückschritte unter Trump und fordere internationale CO2-Zölle, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
  • Wissenschaft und Generationenfrage
    Donna Strickland warne davor, Technologien nur um ihrer selbst willen zu entwickeln. Es werde gezeigt, dass Schüler:innen Orientierung suchten. Die Folge ende mit der Frage, ob der Mensch seinen Verstand behalte, um sich vor der Auslöschung zu retten.

Einordnung

Die Episode leistet eine lebendige Wissenschaftsvermittlung: Sie bringt Nobelpreisträger:innen, Nachwuchsforschende und Schüler:innen zusammen und lässt Konflikte zwischen Regulierung und Freiheit zu. Besonders die konkrete Darstellung der Forschung – CO2-Spaltung, Elektrokatalyse – und die historischen Rückgriffe („Grenzen des Wachstums“, Willy Brandt) geben Kontext und Anschaulichkeit.

Kritisch bleibt: Die Diskussion verharrt in einem technologischen Optimismus, strukturelle Ursachen wie Wachstumszwang oder globale Ungleichheit werden kaum hinterfragt. Klimamigration wird vor allem als Sicherheitsproblem reicher Länder gerahmt, Stimmen aus dem Globalen Süden fehlen. Auch die Vorstellung, der „Rest der Welt“ zeige den „Stinkefinger“, reproduziert eine nationalstaatliche Konkurrenzlogik. Ein prägnantes Zitat zeigt die Stärke der Vermittlung: „Pferdemist sieht man, CO2 nicht.“ (Stephen Chu)

Hörempfehlung: Für alle, die sich für die Schnittstelle von Klimaforschung, Energiepolitik und Wissenschaftskommunikation interessieren, bietet die Folge einen informativen, wenn auch technikzentrierten Einblick.

Sprecher:innen

  • Simon Strauss – Host, Redakteur im Feuilleton der F.A.Z.
  • Joachim Müller-Jung – Wissenschaftsredakteur der F.A.Z. (Co-Moderator)
  • Benjamin List – Chemie-Nobelpreisträger 2021, CO2-Forscher
  • Lisa Hitzel – Doktorandin der theoretischen Chemie, München
  • Stephen Chu – Physik-Nobelpreisträger, ehem. US-Energieminister
  • Donna Strickland – Physik-Nobelpreisträgerin 2018