Der vorliegende Newsletter analysiert die Entscheidungsfindung der Trump-Administration durch die Linse der historischen Faschismusforschung und moderner Internetkultur. Die verfassende Person zieht eine methodische Parallele zu Ian Kershaws Konzept des Arbeitens auf den Führer hin. Dabei wird betont, dass es nicht um eine inhaltliche Gleichsetzung mit Hitler geht, sondern um die strukturelle Ähnlichkeit eines extrem chaotischen Regierungsstils. Während im Nationalsozialismus Untergebene die vagen Wünsche des Diktators antizipierten, geschieht dies heute durch virale Social-Media-Inhalte. Dieser Mechanismus wird prägnant als "gooning towards the Führer" bezeichnet. Der Begriff verweist auf den exzessiven Konsum von polarisierenden, oft hypermaskulinen Internetinhalten. Die These lautet, dass Regierungsmitarbeiter:innen radikale Vorschläge in Form von Memes produzieren, um die Gunst des Präsidenten zu erlangen. Traditionelle bürokratische Wege werden durch Chatgruppen ersetzt. Dies führt dazu, dass komplexe Sachverhalte, die sich nicht in simple Bilder übersetzen lassen, schlichtweg ignoriert werden. Als zentrales Problem nennt der Text die Inkompatibilität von staatlicher Verwaltung und internetgetriebener Aufmerksamkeit. Wenn politische Akteur:innen ihre Karrieren durch kompetitives Memeing vorantreiben, entstehen zwangsläufig irrationale Politiken. Die Gefahr liege in einem massiven staatlichen Kontrollverlust. Die Kernaussage fasst dies treffend zusammen: "If you can't goon it, it doesn't really exist for the current Trump administration." ## Einordnung Der Text besticht durch eine originelle Verknüpfung von Geschichtswissenschaft und Netzkultur. Die Argumentation dekonstruiert die Illusion einer planenden Regierung und entlarvt rechtspopulistische Politik als Getriebene ihrer medialen Logik. Gleichzeitig stützt die Analyse die unausgesprochene Annahme, dass klassische Bürokratie stets rational und überlegen sei. Die Perspektiven marginalisierter Gruppen, die real unter diesen Politiken leiden, bleiben zugunsten einer rein abstrakten Systemanalyse ausgeblendet. Das Framing bewegt sich auf einem schmalen Grat. Die Nutzung von Internet-Slang wie Gooning beschreibt zwar treffend die toxische Maskulinität rechter Akteur:innen, droht aber antidemokratische Handlungen als skurriles Netzphänomen zu verharmlosen. Gesellschaftlich ist der Newsletter dennoch hochrelevant, da er einen innovativen Erklärungsansatz für die irrationalen Mechanismen populistischer Machtausübung liefert. Der Text ist sehr lesenswert für Leser:innen, die tiefgreifende Analysen zur Symbiose von digitaler Aufmerksamkeitsökonomie und Regierungsarbeit suchen.