Der Podcast nimmt die Hörer:innen mit auf einen virtuellen Rundgang durch den Supermarkt der Gegenwart und nahen Zukunft. Die Hosts Friederike Walch-Nasseri und Carina Schroeder untersuchen, an welchen Stellen Künstliche Intelligenz bereits die Warenwelt prägt. Von der Frage, warum welches Produkt im Regal landet, über personalisierte Rabatte in Apps bis hin zu kassenlosen „Pick-and-Go“-Systemen wird das Einkaufen als ein zunehmend datengetriebener Prozess beschrieben. Als selbstverständlich wird dabei vorausgesetzt, dass Effizienzsteigerung und Umsatzmaximierung die legitimen und weitgehend unhinterfragten Ziele dieser Entwicklung sind. Die Bedürfnisse der Kund:innen nach einem reibungslosen, schnellen Einkaufserlebnis werden als natürlicher Treiber für mehr Datensammlung dargestellt, wobei mögliche Interessenkonflikte zwischen Komfort und Privatsphäre als individuelle Abwägungssache verhandelt werden.

Zentrale Punkte

  • Sortiment als Datenprodukt Das Warenangebot, so werde erklärt, richte sich zunehmend nach der Demografie der Kundschaft vor Ort. Mittels datenbasierter Prognosen, etwa zu saisonalen Schwankungen oder Produktkombinationen, versuchten Supermärkte, sowohl Lebensmittelverschwendung als auch Lieferengpässe zu minimieren. Eine Studie zu Aldi Süd zeige, wie sich durch ein KI-Programm Verluste durch abgelaufene Ware um 29 % reduzieren und Personalkosten in Millionenhöhe einsparen ließen.
  • Die App als Profil-Maschine Supermarkt-Apps dienten nicht nur der Kundenbindung durch Treuepunkte und Coupons, sondern vor allem dem Aufbau individueller Konsum-Profile. Durch die Analyse des Einkaufsverhaltens könnten Märkte personalisierte Angebote erstellen, die zum Kauf zusätzlicher Produkte animieren sollen. Daten zu Gesundheit, Familienstand oder Abwesenheiten, die sich aus dem Kaufverhalten ableiten ließen, flössen in diese Profile ein.
  • Kontrollverlust an der Self-Checkout-Kasse Neue Technologien an Selbstbedienungskassen, wie Wiegekontrollen und KI-gestützte Kamerasysteme, sollten „Skip-Scanning“ und Betrug wie den „Banana-Trick“ unterbinden. In vollautomatisierten „Pick-and-Go“-Filialen überwachten Hunderte Kameras jede Bewegung, um Einkäufe automatisch zu erfassen und abzurechnen. Die Host schildere dabei das beklemmende Gefühl, Waren ohne klassischen Bezahlvorgang einfach einzustecken, auch wenn das System funktioniert habe.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt in ihrer Anschaulichkeit. Der Selbstversuch in einem kassenlosen Supermarkt und die Anekdote zu den „destillierten Kartoffeln“ machen die technologische Entwicklung greifbar. Die Moderatorinnen bemühen sich um eine ausgewogene Darstellung, indem sie neben Effizienzgewinnen – etwa weniger Lebensmittelverschwendung und dem Ausgleich von Fachkräftemangel – auch die wachsende Bedeutung von IT-Kompetenz im Einzelhandel thematisieren. Gelungen ist der Hinweis auf den Skandal um manuelle Videoauswertung bei Amazon Fresh, der die „KI“-Fassade entlarvt.

Kritisch bleibt jedoch, dass die Datensammlung überwiegend unter dem Aspekt der persönlichen Entscheidung verhandelt wird: Wer Rabatte und Komfort wolle, müsse eben Daten liefern. Diese Rahmung blendet strukturelle Aspekte fast völlig aus. Die zunehmende technische Infrastruktur der Supermärkte wird vor allem unter dem wirtschaftlichen Vorzeichen der Profitsteigerung besprochen, nicht jedoch als mögliche neue Form der Regulierung von Alltagshandeln. So sagt eine der Hosts: „...wenn eine Person sagt, hey, wenn der Supermarkt meines Vertrauens hier meinen Wocheneinkauf kennt und ich dafür passende Angebote bekomme... ist das für mich ein Super-Deal.“ Diese Individualisierung des Datenschutzes verdeckt die Frage, welche Machtverschiebung entsteht, wenn Supermärkte bald mehr über die gesundheitliche Verfassung ihrer Kund:innen wissen als deren Hausärzt:innen.

Sprecher:innen

  • Friederike Walch-Nasseri – Host von „KI verstehen“, recherchiert für die Folge zum Supermarkt der Zukunft
  • Carina Schroeder – Host von „KI verstehen“, testet für die Folge ein kassenloses Bezahlsystem