In dem Interview des „Deutschland-Kurier“ spricht Tobias Teich, Bundestagsabgeordneter und Kandidat für den Landesvorstand der AfD Bayern, über seine Ziele für den Landesverband. Im Zentrum stehen dabei der Ausbau der „Politischen Akademie“ als Kaderschmiede sowie die Vorbereitung der Partei auf eine mögliche Regierungsübernahme in Bayern. Das Gespräch ist geprägt von einer starken Fokussierung auf migrationspolitische Themen und den Wunsch nach einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel.

1. Ausbau der „Politischen Akademie“ zur Kaderschmiede

Teich plane, die „Politische Akademie Bayern“ zu einer professionellen Ausbildungsstätte auszubauen. Er beschreibt dies explizit als „Kaderschmiede“, die Funktionär:innen von der Basisarbeit bis hin zur „Übernahme von Regierungsgeschäften“ und der Leitung von Ministerien schulen solle. Zitat: „Natürlich wollen wir eine eigene Kaderschmiede, wir wollen ein eigenes Ausbildungswesen und da geht's einfach darum, die Leute, die gut sind, die Funktionäre, die sich Größeres vorstellen können, Verantwortung zu übernehmen, einfach für die Zukunft besser aufzustellen.“

2. Ziel der Regierungsübernahme in Bayern

Teich sehe die AfD Bayern in der Pflicht, ihr politisches Gewicht im Bund zu erhöhen, und strebe mittelfristig die Regierungsverantwortung in Bayern an. Er argumentiert, dass das langjährige Machtgefüge aus CSU und Freien Wählern „bröckele“. Zitat: „Ich will den Landesverband Bayern fit machen dafür, dass wir so breit aufgestellt sind, um in Zukunft die Regierungsgeschäfte hier in Bayern übernehmen zu können.“

3. Forderung nach sofortiger Abschiebung

Ein zentraler Punkt sei die Beendigung der „Masseneinwanderung“, für die Teich die Verantwortung bei der aktuellen Politik sieht. Er fordert, dass Menschen ohne Bleibeperspektive „unverzüglich“ das Land verlassen müssten. Zitat: „Das ist der erste wichtige Punkt. Der zweite ist das mit der inneren Sicherheit. […] Menschen ohne Dokumente ins Land zu lassen, mit unklarer Historie, mit unklarer Strafregistergeschichte führt natürlich dazu, dass wir die Situationen erleben, die wir jeden Tag sehen.“

4. Wirtschaftspolitische Neuausrichtung

Teich formuliert drei Kernforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Bürokratieabbau, Steuersenkungen und günstige Energie. Er behauptet, dass Unternehmer:innen zunehmend das Vertrauen in die etablierten Parteien verlören und sich vermehrt der AfD zuwenden würden. Zitat: „Es gibt zahlreiche Unternehmer, die den Kontakt suchen, die die Probleme schildern, die versuchen irgendwo politische Lösung zu bekommen und das machen diejenigen nicht, weil die irgendwie böse eingestellt werden […] sondern es machen die schlicht und einfach deswegen, weil sie sich nur noch von einer Partei eine Lösung erhoffen.“

Einordnung

Das Video präsentiert sich als journalistisches Interviewformat, fungiert jedoch faktisch als Plattform für politische PR der AfD. Die Gestaltung ist schlicht: Eine direkte Kameraansprache von Tobias Teich vor einem AfD-gebrandeten Hintergrund. Die Interviewführung durch die Person 2 ist explizit unterstützend und setzt keine kritischen Gegenpunkte, sondern liefert Stichworte, die es dem Gast ermöglichen, seine Kernbotschaften („Regierungsfähigkeit“, „Kaderschmiede“, „Sicherheit“) ungefiltert zu platzieren. Die argumentative Struktur ist durch populistische Zuspitzungen geprägt, bei denen komplexe gesellschaftliche Phänomene monokausal auf die Migrationspolitik zurückgeführt werden.

Besonders auffällig ist das Narrativ des „Aufbaus einer Kaderschmiede“. Während Teich diesen Begriff positiv besetzt und als Professionalisierung verkauft, wird die inhaltliche Ausgestaltung der „Akademie“ als Vorbereitung auf die Machtübernahme stilisiert. Die rhetorische Strategie zielt darauf ab, die AfD als alternativlos für frustrierte Unternehmer:innen und Bürger:innen darzustellen. Es fehlen jegliche kritische Nachfragen zur Vereinbarkeit der geplanten Politik mit rechtsstaatlichen Prinzipien oder zu den konkreten Auswirkungen der geforderten Maßnahmen. Kritisch zu betrachten ist zudem die pauschale Verknüpfung von Migration mit Kriminalität, die hier als unumstößliche Tatsache dargestellt wird. Das Format reproduziert damit hegemoniale Ansprüche innerhalb der Partei, ohne die zugrunde liegenden Annahmen zu hinterfragen. Es dient primär der internen Mobilisierung und der Außendarstellung als professionelle, regierungsbereite Kraft, wobei die journalistische Distanz zugunsten einer symbiotischen Kommunikation zwischen Medium und Partei vollständig aufgegeben wird.

Sehwarnung: Das Video bietet keine journalistische Einordnung, sondern ist ein Propagandabeitrag. Wer nach einer differenzierten Debatte sucht, wird hier nicht fündig.