In diesem Jahresrückblick diskutieren der Verleger Götz Kubitschek und die Buchhändlerin Susanne Dagen ausführlich über die von Dagen organisierte Buchmesse „Seitenwechsel“ in Halle. Das Gespräch dient primär der Selbstvergewisserung und Feier des eigenen Erfolgs. Die Messe wird als notwendige Gegenreaktion auf die etablierten Buchmessen in Frankfurt und Leipzig gerahmt, die das rechte und konservative Milieu systematisch ausgrenzen würden. Auffällig ist, wie durchgehend der Aufbau einer rechten Gegenöffentlichkeit als Kampf um „freies Unternehmertum“ und Meinungsfreiheit inszeniert wird. Gegner:innen der Messe werden pauschal als „sogenannte Zivilgesellschaft“ oder Bedrohung abgewertet. Die eigene politische Agenda wird sprachlich in bürgerlichen und verlegerischen Handwerkstugenden verpackt, wodurch neurechte Strukturen als legitime und normale Alternative zum Mainstream-Kulturbetrieb etabliert werden sollen. ### Zentrale Punkte * **Überraschender Messeerfolg gefeiert** Dagen berichte, die neue Messe sei mit über sechstausend Besuchenden ein unerwarteter Erfolg gewesen. Sie sehe darin den klaren Beweis, dass eine Repräsentationslücke abseits des Mainstreams bestehe. * **Schaffung eigener Freiräume** Kubitschek erkläre, das rechte Milieu habe gelernt, auf eigene Räume auszuweichen, da etablierte Messen sie ausgrenzten. Die neue Messe biete nun den dringend notwendigen geschützten Spielraum. * **Vermeidung von internem Streit** Beide betonen, inhaltliche Kontroversen hätten auf der Messe keinen Platz. Es gehe vielmehr darum, für zwei Tage ungestörte Geschlossenheit und eine gemeinsame Stoßrichtung des Lagers zu zeigen. * **Konservativer verlegerischer Ausblick** Zum Schluss präsentieren beide ihre aktuellen Verlagsprogramme. Dabei werde betont, dass man sich bewusst der Digitalisierung verweigere und analoge, greifbare Publikationen aus Überzeugung priorisiere. ### Einordnung Das Gespräch bietet wertvolle Einblicke in die Strategiebildung der sogenannten Neuen Rechten. Es zeigt detailliert, wie konsequent der Aufbau autarker, von etablierten Institutionen unabhängiger Strukturen vorangetrieben wird und wie professionell diese Akteur:innen vorgehen. Kritisch zu sehen ist die vollkommene Selbstbestätigung innerhalb der eigenen Echokammer: Gegenpositionen werden nicht reflektiert, sondern durchweg delegitimiert. Gesellschaftlicher Protest wird sprachlich herabgewürdigt, etwa wenn Kubitschek den Weg durch Gegendemonstrant:innen als Gang durch einen „Höllenschlund [...] dieser verkleckerten Antifa“ beschreibt. Auffällig ist zudem, wie Publikationen rechtsextremer Akteur:innen völlig unhinterfragt als „konservativ“ normalisiert werden. Begriffe wie „Zeitenwende“ werden dabei strategisch als ideologischer „Seitenwechsel“ umgedeutet. **Hörwarnung**: Die Episode normalisiert durchgehend extrem rechte Autor:innen und Netzwerke als bürgerliche Buchkultur; sie ist primär für die analytische Betrachtung neurechter Diskursstrategien aufschlussreich. ### Sprecher:innen * **Götz Kubitschek** – Mitbegründer der Neuen Rechten in Deutschland und Verleger (Verlag Antaios) * **Susanne Dagen** – Buchhändlerin, AfD-Stadträtin in Dresden und Messe-Organisatorin