Ach, komm! - der Podcast für Körper, Seele, Herz und... Sex: Eine Affäre fliegt auf: SOS-Maßnahmen bei Betrug
Paartherapeutin Judith Gastner gibt SOS-Tipps für die akute Krise nach dem Auffliegen einer Affäre.
Ach, komm! - der Podcast für Körper, Seele, Herz und... Sex
64 min read3542 min audioIn der Episode besprechen Ann-Marlene Henning, Karo Burchard und die Psychotherapeutin Judith Gastner den akuten Umgang mit aufgeflogenen Affären. Die Unterhaltung bewegt sich in einem pragmatischen Rahmen, der Untreue nicht moralisiert, sondern als statistische Normalität und therapeutisch bewältigbare Krise anlegt. Im Zentrum steht die betrogene Person, an die der Appell gerichtet wird, trotz extremer emotionaler Belastung strategisch zu handeln.
Auffällig ist die Selbstverständlichkeit, mit der die monogame Zweierbeziehung als unangefochtener Standard vorausgesetzt wird. Eine Affäre wird primär als neurobiologischer Störfall gerahmt, bei dem das Belohnungszentrum im Gehirn kurzzeitig übernehme. Die besprochenen Lösungsszenarien zielen strikt auf die Wiederherstellung einer geregelten Ordnung ab – entweder durch Reparatur der Partnerschaft oder eine saubere Trennung. Alternative Beziehungsmodelle oder offene Konzepte bleiben im Diskurs unerwähnt.
### Zentrale Punkte
* **Akutmanagement statt konventioneller Therapie**
Gastner betone, dass unmittelbar nach dem Auffliegen einer Affäre klassische Paartherapie nicht greife. Es brauche stattdessen zunächst ein strukturiertes Notfallprogramm zur emotionalen Stabilisierung.
* **Strategische Emotionskontrolle**
Betrogene sollten dem ersten Impuls der Zerstörungswut nicht blind nachgeben, argumentiere Gastner. Diese emotionale Disziplin diene dem Zweck, sich am Ende eine echte Wahlfreiheit zu bewahren.
* **Biologische Relativierung der Schuld**
Henning und Gastner verweisen darauf, dass Untreue oft nicht an einer schlechten Beziehung liege. Vielmehr lasse sich das Verhalten durch die Verlockung des neurobiologischen Belohnungssystems erklären.
* **Transparenz gegenüber der Familie**
Kinder müssten altersgerecht informiert werden, raten die Expertinnen. Der untreue Elternteil müsse die Verantwortung übernehmen und aufklären, ohne jedoch die Affäre als neue Person sofort vorzustellen.
### Einordnung
Die Episode leistet eine konstruktive Entkrampfung des Themas Untreue. Durch den Verzicht auf einfache moralische Verurteilungen und die Normalisierung von Affären als häufiges Phänomen wird Betroffenen Scham genommen. Sprachlich fällt jedoch auf, wie stark der Diskurs von einer medizinisch-technischen Krisenrhetorik durchzogen ist. Gastner bezeichnet das Auffliegen einer Affäre als „Supergau in der Beziehung“, der einem „um die Ohren“ fliege. Dieser Frame konstruiert Untreue als traumatischen Unfall, den es durch striktes Krisenmanagement einzuhegen gelte. Problematisch ist dabei, dass die involvierte Drittperson über weite Strecken zum reinen Störobjekt degradiert wird („die Affäre“), das es abzuwehren gelte. Die Diskussion verbleibt zudem vollständig in der Logik der bürgerlichen Monogamie als alternativloses Ideal, was die Perspektivenvielfalt auf menschliche Beziehungsdynamiken einschränkt.
### Sprecher:innen
* **Ann-Marlene Henning** – Bestsellerautorin, Paar- und Sexualtherapeutin
* **Karo Burchard** – Co-Moderatorin
* **Judith Gastner** – Paar- und Psychotherapeutin, Entwicklerin von "PaarBalance"