Das Social-Media-Update der c't verhandelt in dieser Episode grundlegende Fragen von Macht und Verantwortung auf digitalen Plattformen. Die Hosts Gavin und Dennis sprechen über persönliche Betroffenheit – eine erneute Sperrung Gavins bei Threads – und ordnen sie in größere Zusammenhänge ein. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei die Annahme, dass Plattformen durch undurchsichtige Moderationsprozesse die Souveränität von Nutzer:innen untergraben dürfen und dass Social-Media-Konzerne ihre Werbeinfrastruktur weitgehend ungestraft für betrügerische Zwecke instrumentalisieren können. Die Episode springt thematisch von Metas Werbepraktiken über algorithmische Transparenz bei X bis zu juristischen Scharmützeln in der KI-Branche.
Zentrale Punkte
- Threads sperrt Gavin ohne nachvollziehbare Begründung Gavins Account sei aufgrund automatisierter Erkennung deaktiviert worden, ohne dass Meta die nach eigener Aussage und DSA-Vorgaben erforderlichen konkreten Regelverstöße nenne. Er erwäge rechtliche Schritte, da der Account für seine journalistische Arbeit notwendig sei und Meta offenbar wiederholt Accounts bei Anmeldevorgängen zwischen verschiedenen Profilen fälschlich als Bots einstufe.
- Meta-Anzeigen zielen mit Drogenzubehör auf vulnerable Gruppen Auf Instagram werde offen Zubehör für Kokain als Accessoire für Elektrolyte vermarktet, ein Code, der von Meta laut Bericht trotz Kenntnis geduldet werde. Gleichzeitig erziele ein Netzwerk gefälschter Prominenten-Videos, die gezielt über 65-Jährige ansprachen, über 200 Millionen Aufrufe, obwohl Metas eigenes Warnsystem die Anzeigen als problematisch eingestuft habe.
- X' Algorithmus-Update bestätigt Plattform-Logik Der auf GitHub einsehbare Algorithmus von X zeige, dass Kontroversität und Schnelllebigkeit belohnt würden, während werbeunfreundliche oder als "Slop" markierte Inhalte an Reichweite verlören. Gleichzeitig würden Funktionen für unbezahlte Accounts weiter eingeschränkt, was die Plattformstrategie unterstreiche, Druck für das Premium-Abo aufzubauen – mit fragwürdigen Limits selbst für Direktnachrichten.
- Elon Musk und OpenAI führen einen juristischen Stellvertreterkrieg Der von Elon Musk angestrengte Prozess gegen OpenAI habe vor allem Chaos offengelegt: Musks Anwalt habe im Plädoyer grundlegende Fakten verwechselt, und interne Kommunikation zeige, dass Musk von den Profitplänen wusste, die er nun anklage. Der Fall sei symptomatisch für eine neue Phase, in der sich Tech-Unternehmen zunehmend gegenseitig verklagten – von Musk gegen Apple bis zu möglichen Klagen OpenAIs gegen Apple.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt in der engen Verzahnung persönlicher Betroffenheit mit struktureller Analyse. Gavins Schilderung seiner Threads-Sperrung macht abstrakte Plattformprobleme greifbar: Intransparente Moderationslogik, versteckte Meldewege und das Ungleichgewicht zwischen Konzernmacht und Nutzerrechten. Die Zusammenführung verschiedener Meta-Kritikpunkte – Betrugswerbung für Senioren, Drogen-Codes, willkürliche Sperren – zeichnet ein konsistentes Bild eines Unternehmens, dessen Geschäftsmodell auch auf der Ausbeutung von Grauzonen basiert. Gelungen ist auch die nüchterne Einordnung der X-Algorithmus-Daten, die keine Überraschungen bieten, aber Transparenz liefern, und der juristische Überblick, der den Tech-Kleinkrieg ironisch als "Demolition Derby" charakterisiert.
Kritisch bleibt, dass die Episode die eigene Rolle im Aufmerksamkeitssystem kaum reflektiert. Wenn Gavin überlegt, aus Stolz gegen Meta zu klagen, bleibt unausgesprochen, dass auch dieser Podcast von Reichweite auf genau jenen Plattformen profitiert. Die Analyse der Zuckerberg-Plattformen als "Internet-Moloch" ist treffend, aber was folgt daraus? Dass die Hosts das Dilemma für sich auflösen, indem sie notgedrungen weitermachen – das ist ehrlich, aber auch bequem. Die Diskussion um den X-Algorithmus benennt zwar die Belohnung von Engagement, hinterfragt aber nicht, ob die eigene Aufregungsrhetorik ("Freiheit der Rede, nicht der Reichweite") nicht genau jene Logik bedient, die sie kritisiert. Ein Satz aus dem Abschnitt über Facebook-Betrug zeigt die Substanz des Problems: "Meine Großmutter fragte mich, wenn das ein Betrug wäre, warum wäre es dann auf Facebook zu finden?" – hier wird greifbar, welches Vertrauen Plattformen verspielen, ohne dass dieser Faden weitergesponnen würde.
Sprecher:innen
- Gavin – Host von Haken dran, wiederholt bei Threads gesperrt
- Dennis – Co-Host von Haken dran, ordnet Plattformpolitik ein