Der Podcast Sprint der Bundesagentur für Sprunginnovationen diskutiert technologische Durchbrüche oft als Möglichkeit, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Rückstände aufzuholen. In dieser Episode wird der militärische Bereich als Feld für genau solch einen Aufholprozess dargestellt. Moderator Thomas Ramge spricht mit Dr. Philipp Kerth, dem Co-Gründer des Startups Hypersonica, über die Entwicklung von Hyperschallraketen. Kerth, ein promovierter Physiker, erklärt die physikalischen Grundlagen und technischen Hürden, vor allem aber stellt er die Technologie als Chance dar, eine von ihm diagnostizierte Lücke in den Verteidigungsfähigkeiten Europas zu schließen. Die Notwendigkeit dieser Waffensysteme wird als Reaktion auf geopolitische Bedrohungen und als Garant für Frieden, Freiheit und Demokratie gesetzt. Kritische Nachfragen zu den Gefahren eines neuen Wettrüstens oder den konkreten militärischen Anwendungen der Technologie werden entweder kurz angerissen oder vom Gast in das positive Narrativ der „souveränen Abschreckung“ umgedeutet.

Zentrale Punkte

  • Hyperschall als Gamechanger Hyperschallraketen seien ballistischen Raketen überlegen, da sie tiefer flögen, manövrierfähig blieben und so Abwehrsysteme unterlaufen könnten. Diese Eigenschaften machten die Technologie zur Schlüsselkomponente für eine glaubwürdige, eigenständige Abschreckungsfähigkeit Europas.
  • Startup-Methodik gegen staatliche Schwerfälligkeit Durch Fokussierung, schnelle Iteration und kostengünstiges Prototyping könne Hypersonica die Entwicklung im Vergleich zu klassischen staatlichen Programmen um 80 bis 90 Prozent beschleunigen und verbilligen. So solle Europa bis 2029 mit eigenen Streitkräften für tiefe Präzisionsschläge ausgestattet werden, anstatt Jahrzehnte aufzuholen.
  • Dual Use als Zukunftsinvestition Die militärisch motivierte Hyperschallforschung sehen die Gründer als Schrittmacher für zivile Raumfahrt- und sogar Luftfahrtanwendungen. Bessere Hitzeschilde und effizientere Eintrittsprofile in die Atmosphäre seien direkte technologische Abfallprodukte, die Europas Stellung in der Raumfahrtökonomie langfristig stärken könnten.

Einordnung

Die Episode bietet einen dichten Einblick in das Selbstverständnis und die Argumentation eines wertgetriebenen Rüstungs-Startups. Der Gast kann komplexe physikalische Zusammenhänge wie die Plasmabildung bei Hyperschallgeschwindigkeit verständlich erklären und die Geschwindigkeit des eigenen Entwicklungsprozesses am konkreten Beispiel des HS1-Prototyps belegen. Dies schafft Transparenz, wo oft nur über abstrakte Fähigkeiten gesprochen wird.

Die Diskussion wird jedoch von der Prämisse dominiert, dass militärische Aufrüstung die unausweichliche und einzig wirksame Antwort auf die Sicherheitslage sei. Begriffe wie „souveräne Abschreckung“ oder „Deep Precision Strike“ werden eins zu eins aus der militärstrategischen Fachsprache übernommen und mit Werten wie „Frieden“ und „Freiheit“ gleichgesetzt, ohne diesen Zusammenhang zu erklären. Diese Normalisierung von Angriffsfähigkeiten als Verteidigungswerkzeug ist eine politische Rahmung, die nicht hinterfragt wird. Die Risiken eines neuen Rüstungswettlaufs bei Hyperschallwaffen oder die Eskalationspotenziale, die von Systemen ausgehen, die tief in gegnerisches Territorium eindringen können, werden mit dem Verweis auf die schützenswerten „Grundwerte“ überspielt. Das Gesprächsziel, zu zeigen, wie Neues neu gedacht wird, bleibt hier konsequent auf die technische und unternehmerische Prozessebene beschränkt – die politische Dimension der Innovation wird ausgeblendet.

Sprecher:innen

  • Dr. Philipp Kerth – Physiker und Co-Gründer des deutsch-britischen Rüstungs-Startups Hypersonica
  • Thomas Ramge – Moderator des Podcasts Sprint der Bundesagentur für Sprunginnovationen