Zusammenfassung

Die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke thematisiert rechtsextreme und antisemitische Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e. V., einem zentralen Partner der Stiftung Humboldt-Forum, die vom Bund mit rund 100 Millionen Euro gefördert wurde. Die Fraktion kritisiert die Antwort der Bundesregierung auf eine vorherige Anfrage als ausweichend und zum Teil falsch, da sich diese weigere, Aussagen von Dritten zu kommentieren – obwohl die Regierung bei anderen Fällen (wie der documenta 15 oder einem Rapper-Auftritt) sehr wohl Stellung bezogen habe. Besonders prominent sind die Verbindungen des Vereins zu einem ehemaligen NPD-nahen Politiker, zu Holocaustleugnung sowie zu Spenden über undurchsichtige Schweizer Konten. Die Anfrage verlangt Aufklärung über das Handeln von Stiftungsrat, Kuratorium und dem Beauftragten für jüdisches Leben und wo der Bund Grenzen der Zusammenarbeit mit fragwürdigen Geldgebern zieht.

Einordnung

Die Anfrage folgt einer offenbar unbefriedigenden Antwort der Regierung auf eine frühere Kleine Anfrage (Drucksache 21/4707) und nutzt gezielt offizielle Studien zur Einordnung des Problems – etwa die Mitte-Studie oder den Leipziger Autoritarismus-Report – um die Dringlichkeit zu unterstreichen. Strategisch wird hier ein Doppelstandard der Regierung angeprangert: Während bei kulturellen Großprojekten wie der documenta sofortige öffentliche Kritik an Antisemitismus erfolgt, scheint dieselbe Regierung bei institutionellen Partnern mit rechten Hintergründen (wie dem Förderverein) stillzuhalten. Möglicherweise könnte es der Bundesregierung um die Wahrung des Scheins administrativer Neutralität gehen, doch die explizite Nennung der Spendenverstrickungen mit der Schweiz und Holocaustleugnung legt nahe, dass hier bewusst graue Zonen ignoriert werden, um Prestigeprojekte nicht zu gefährden. Die Fragen zielen darauf ab, ob die Regierung ihre eigene Antisemitismus-Bekämpfung konsistent umsetzt oder ob finanzielle Interessen über Menschenrechte gestellt werden.