Der Podcast "Nach Redaktionsschluss" diskutiert in dieser Folge die Frage, ob die Öffentlich-Rechtlichen zu viel Geld für Fußballrechte ausgeben und dabei andere Sportarten vernachlässigen. Zu Gast sind Axel Balkausky, Sportkoordinator der ARD, und Medienforscher Michael Schaffrath von der TU München. ### 1. Rund 44 % des ARD-Sportetats fließen in die Bundesliga-Berichterstattung Schaffrath rechnet vor: "Rund 44 % des gesamten Sportetats für die Bundesliga ausgegeben" – das seien etwa 102 Millionen Euro pro Jahr für 70 Stunden Live-Fußball. Gleichzeitig würden viele andere Sportarten kaum noch im Free-TV gezeigt. ### 2. Es gebe kein Recht auf bewegte Bilder der Bundesliga Schaffrath betont: "Es gibt kein Recht auf bewegte Bilder der Bundesliga" und verweist auf die Zeit von 1988 bis Anfang der 2000er Jahre, als die Bundesliga auch ohne ARD-Sportschau lief – "es gab nicht den Untergang des Fußball-Abendlandes". ### 3. Randsportarten verlören Mitglieder durch fehlende Medienpräsenz Schaffrath legt nahe, dass Sportarten wie Tennis, Turnen oder Handball seit Jahren Mitglieder verlieren, weil sie kaum noch im linearen TV zu sehen seien: "Ich habe die starke Vermutung, dass es einen Zusammenhang geben könnte". ### 4. ARD verteidigt Fußball als "gesellschaftlich relevant" Balkausky argumentiert, die Bundesliga sei "für uns attraktiv", weil sie "eine hohe Strahlkraft" habe und "regelmäßig viele Menschen erreicht", die man sonst nicht erreiche. Die Entscheidung sei auch von Gremien mitgetragen worden. ### 5. Streaming sei keine Lösung für ältere Zuschauer:innen Schaffrath kritisiert, dass viele Sportarten auf Streaming-Plattformen ausgelagert würden: "Alles über 60, alles über 70 […] da wird es dann schon schwierig mit den Streamingdiensten". ### 6. Ab 2029/30 könnte die Bundesliga aus der Sportschau verschwinden Schaffrath prognostiziert: "Ab der Saison 29/30 wird es die Bundesliga-Zusammenfassungen weder bei ARD noch beim ZDF geben", da sich die Sender die Rechte nicht mehr leisten könnten. ## Einordnung Die Diskussion ist sachlich und konfrontativ zugleich – ein gutes Beispiel für kontroverse, aber faire Debattenkultur im Öffentlich-Rechtlichen. Schaffrath liefert klare Zahlen und historische Vergleiche, während Balkausky auf Publikumsmeinung und Programmverantwortung verweist. Beide Seiten bleiben höflich, auch wenn Schaffrath deutlich Kritik übt. Interessant ist, wie sehr sich die Debatte um die Frage dreht, was "gesellschaftlich relevant" sei – ein Begriff, der hier nicht hinterfragt wird. Die Perspektive der Sportler:innen oder Zuschauer:innen kommt nur indirekt vor, etwa durch Umfragen oder Verbandspräsidenten. Die Sendung vermittelt einen guten Einblick in die ökonomischen Zwänge und politischen Rahmenbedingungen des Sportjournalismus – ohne dabei zu einseitig zu werden. Hörempfehlung: Wer wissen will, wie die ARD ihre Sportrechte auswählt und warum bald vielleicht keine Bundesliga-Zusammenfassungen mehr im Free-TV laufen, sollte reinhören.