In dieser Episode von Freiheit Deluxe spricht Jagoda Marinić mit dem Autor und Workshop-Leiter Fikri Anil Altıntaş über zeitgemäße Männlichkeiten. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Männer in feministische Debatten einbezogen werden können, ohne dass es zum Geschlechterkampf kommt. Altıntaş plädiert für einen perspektivwechsel: Statt Männer nur zu kritisieren, müssten auch positive Entwürfe sichtbar werden. Die Gesprächspartner:innen verhandeln dabei grundlegende Fragen nach Freiheit und Angst – ausgehend von Literaturzitaten (Sevgi Soysal, Nina Simone, Erich Kästner) hin zu persönlichen Erfahrungen mit Kontrolldruck und Schreibangst. Durchgängig wird dabei als selbstverständlich gesetzt, dass gesellschaftlicher Wandel über individuelle Haltungsänderungen und "Kultivierung" von Verhaltensweisen erreichbar sei.

Zentrale Punkte

  • Positive Männlichkeit kultivieren Altıntaş fordere eine Art Revolution des Sprechens über Männer: Väter und Männer untereinander sollten sich öfter ehrlich loben und wertschätzen. Dies werde als notwendiger Zwischenschritt dargestellt, um nicht im Stillstand zu verharren.

  • Angst als produktive Kraft begreifen Marinić und Altıntaş verhandeln die gesellschaftliche Erwartung, angstfrei zu sein, als neue Unfreiheit. Die Illusion von Kontrolle erzeuge erst recht Angst; das Annehmen von Angst könne hingegen kreative und solidarische Räume öffnen.

  • Literatur als Freiheitsraum Das Schreiben werde als Ort der Selbstwerdung beschrieben: Die Angst vor dem leeren Blatt stehe für die Frage, wer man als Mann sein dürfe. Den eigenen Ton in der Sprache zu finden, werde als Form von Freiheit experienced.

  • Feminismus als bewusste Entscheidung Altıntaş betone, dass er sich täglich aktiv für den Feminismus entscheide – gegen ein bequemeres Leben. Er räume selbstkritisch ein, dass auch er gelegentlich in sexistische Muster verfalle, was ständiges Aushandeln erfordere.

Einordnung

Die Episode bietet einen niedrigschwelligen, persönlich gefärbten Zugang zu Debatten über Männlichkeit und Feminismus. Besonders überzeugend ist die selbstkritische Reflexion Altıntaş' über eigene Widersprüche – etwa wenn er zugibt, mit seinem Neffen fast sexistische Sprüche zu machen. Die literarischen Verweise (Soysal, Kästner, Simone) öffnen den Diskurs über das rein Soziologische hinaus.

Gleichzeitig bleibt das Gespräch stark im individuell-existenziellen Bereich. Strukturelle Ursachen für problematische Männlichkeitsentwürfe – Prekarisierung, digitale Radikalisierung in der Manosphere – werden nur am Rande gestreift. Der wiederholte Appell, "positiv über Männer zu sprechen", bleibt vage hinsichtlich konkreter Mechanismen, die toxische Männlichkeit reproduzieren. Die Diskussion bewegt sich weitgehend innerhalb eines progressiven Konsenses; gegensätzliche Positionen werden kaum direkt befragt.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die einen einfühlsamen, literarisch angereicherten Einstieg in aktuelle Männlichkeitsdebatten suchen, ohne sich auf theoretische Abhandlungen einzulassen.

Sprecher:innen

  • Jagoda Marinić – Autorin, Kolumnistin und Podcast-Host
  • Fikri Anil Altıntaş – Autor und Workshop-Leiter zu Männlichkeitsfragen