Im Interview des Formats Tichys Einblick spricht Moderator Herr Doglas mit dem Kraftwerksingenieur und Autor Frank Hennig über die deutsche und europäische Energieversorgung sowie angebliche Risiken für den kommenden Winter.
1. Füllstand der Gasspeicher und drohende Mangelage
Die deutschen Gasspeicher seien auf einem historischen Tiefstand von etwa 47,5 Prozent, was deutlich weniger als im Vorjahr sei. Bei einem strengen Winter drohe rein rechnerisch, dass die Speicher im Februar leer seien, weshalb Industrieunternehmen zeitnah heruntergefahren werden müssten.
„Bei einem strengen Winter droht uns rein rechnerisch, dass im Februar die Speicher leer sind.“
2. Kritik an staatlichen Maßnahmen und Gesetzen
Die von der Wirtschaftsministerin angekündigte nationale Gasreserve komme zu spät und befinde sich erst im Gesetzgebungsverfahren. Zudem würden EU-Vorgaben wie die EU-Methanverordnung sowie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz dazu führen, dass internationale Lieferanten wie Katar oder die USA im Ernstfall nicht mehr nach Deutschland liefern würden.
„Also, wie so vieles in dieser Politik wird einiges, ich sags mal auf gut Deutsch verpennt.“
3. Zusätzlicher Gasbedarf durch europäische Wasserkraft
Durch die heiße Wetterlage in Europa gebe es ein vermindertes Wasserangebot in Stauseen von Norwegen bis zur Schweiz, weshalb dort weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt, mehr importiert und vermehrt Gas zur Stromerzeugung genutzt werde.
„Das heißt, es gibt niedrige Wasserstände in den Stauseen, speziell Norwegen, Schweden, in der Schweiz und Österreich, äh die können also weniger Strom aus Wasserkraft erzeugen, importieren mehr und erzeugen mehr aus äh Gas.“
4. Probleme bei Kernkraftwerken in Osteuropa
Auch Kernkraftwerke an der Donau, wie das ungarische Kraftwerk Paks, seien wegen niedriger Wasserstände von Abschaltungen betroffen. Es werde zwar eine Kampagne gefahren, um Kernkraft als unsicher darzustellen, jedoch liege das Problem an der Bauweise der Kühlsysteme und nicht an der Kernkraft an sich.
„...man fährt hier gerade eine Kampagne und will damit feststellen, dass die Kernkraft unsicher ist in der Versorgung, aber diese Lage hat nichts mit den Kernkraftwerken an sich zu tun, sondern mit der Bauweise der Kühlsysteme.“
5. Verringerung der gesicherten Leistung in Deutschland
Deutschland habe in den letzten zehn Jahren die gesicherte Leistung von 112 auf 89 Gigawatt verringert und werde bis 2030 weitere acht Gigawatt ersatzlos abschalten, da die CO2-Vermeidung fälschlicherweise als alleiniges Oberziel über das energiepolitische Zieldreieck gestellt werde.
„Wir haben in den letzten 10 Jahren die gesicherte Leistung verringert von 112 auf 89 Gigawatt und wir werden weiter bis zum Jahr 2030 noch etwa weitere 8 Gigawatt ersatzlos abschalten.“