Die Episode stellt zwei deutsche Unternehmer vor, die ihre Unternehmen mit grundlegend neuen Strategien umbauen. Tobias Bachmüller, geschäftsführender Gesellschafter von Katjes, habe aus einem Fruchtgummihersteller eine Markenholding geformt, die nun auch Modehäuser wie Bogner und Missoni übernehme. Das leitende Prinzip sei der Kauf sogenannter „Heritage Brands" – alte, bekannte Marken, die bei großen Konzernen unter mangelnder Aufmerksamkeit litten. Jürgen Otto wiederum, Vorstandschef von Heidelberger Druckmaschinen, setze auf den Einstieg ins Rüstungsgeschäft. Das Unternehmen habe in nur vier Monaten ein unbemanntes Bodenfahrzeug entwickelt, das bereits in der Ukraine getestet werde. Beide Gespräche kreisen um die Frage, wie sich industrielle Substanz und Markenwert in veränderten Märkten neu einsetzen lassen. Wirtschaftliches Handeln wird dabei durchgängig als Gewinnstreben und Wettbewerbsfähigkeit begriffen, Politik vor allem als mögliche Belastung oder als Lieferant von Handelsabkommen.

Zentrale Punkte

  • Bekanntheit als Kapital Katjes setze ausschließlich auf „Heritage Brands", also Marken mit jahrzehntelangem Vertrauensvorsprung. Der Aufbau neuer, unbekannter Marken sei zu mühsam; stattdessen übernehme man etablierte Namen, um sie mit einer neuen „Spielidee" und schlankerer Führung wiederzubeleben.
  • Politik soll Stillstand liefern Bachmüller formuliere als wirtschaftspolitische Kernforderung: „Wir brauchen gar nichts." Der Staat solle schlicht keine neuen Belastungen beschließen. Positiv hervorgehoben würden allein große Freihandelsabkommen wie Mercosur, die Märkte öffnen.
  • Rüstung als nächster Industrieschritt Jürgen Otto verstehe den Einstieg ins Rüstungsgeschäft als logische Nutzung vorhandener Technologie. Die Fähigkeit, komplexe mechatronische Systeme zu bauen, qualifiziere Heidelberg für unbemannte Fahrzeuge. Dabei werde die eigene industrielle Substanz als uneinholbarer Vorsprung ins Feld geführt.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt darin, dass sie zwei anschauliche Fallbeispiele für unternehmerische Transformation liefert. Beide CEOs erläutern detailliert ihre strategischen Überlegungen und geben Einblick in die praktische Umsetzung – von der Markenpositionierung bei Katjes bis zur konkreten Entwicklung eines unbemannten Bodenfahrzeugs bei Heidelberg in nur vier Monaten. Die Gespräche sind dicht an der operativen Realität und zeigen die internen Logiken solcher Konzernumbauten.

Allerdings bewegen sich die Interviews fast vollständig innerhalb der unternehmerischen Eigenperspektive. Wirtschaftliches Handeln wird unhinterfragt mit positivem Wachstum und Gewinnstreben gleichgesetzt. Der Einstieg Heidelbergs ins Rüstungsgeschäft wird ausschließlich als technologischer und strategischer Schritt verhandelt; ethische Abwägungen oder die Frage, was es für ein Traditionsunternehmen bedeutet, künftig Waffensysteme zu produzieren, werden kaum vertieft. Die politische Forderung Bachmüllers nach einem Staat, der sich auf das Öffnen von Handelsabkommen beschränkt, bleibt unwidersprochen im Raum stehen.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen mit Interesse an Unternehmensstrategie und industriellem Wandel bietet die Episode konkrete Einblicke in zwei grundverschiedene Transformationswege.

Sprecher:innen

  • Tobias Bachmüller – Geschäftsführender Gesellschafter Katjes, Präsident des Europäischen Süßwarenverbands
  • Jürgen Otto – Vorsitzender des Vorstands der Heidelberger Druckmaschinen AG