Diese Folge des *ARD Klima Update* widmet sich dem Konflikt zwischen Landwirtschaft und Moorschutz – einem oft unterschätzten Klimafaktor. Die Moderation rahmt das Thema als lösungsorientierte Herausforderung: Trockengelegte Moore seien ein „riesiges Problem“, da sie doppelt so viel CO₂ ausstoßen wie bisher angenommen. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Nutzung von Moorflächen vereinbar sein *müssen*. Die Landwirtschaft erscheint dabei als zentraler Akteur, dessen „berechtigte Interessen“ (wie die Versorgung mit Lebensmitteln) mit ökologischen Zielen in Einklang gebracht werden sollen. Unhinterfragt bleibt die Annahme, dass Moore vorrangig als Kohlenstoffspeicher und weniger als eigenständige Ökosysteme mit eigenem Wert betrachtet werden. ### Zentrale Punkte **Moore als unterschätzte Klimasünder** Eine neue EU-Studie zeige, dass entwässerte Moore jährlich 230 Megatonnen CO₂ ausstoßen – fast doppelt so viel wie bisher angenommen. Die Emissionen entstünden, weil Sauerstoff in den trockengelegten Böden den gespeicherten Kohlenstoff freisetze. Besonders betroffen seien landwirtschaftlich genutzte Flächen in Nord- und Ostdeutschland. **Landwirtschaft zwischen Ökologie und Ökonomie** Landwirt Hans Lütchen Wellner demonstriere, wie Moorflächen nass bewirtschaftet werden können, ohne auf Erträge zu verzichten. Er experimentiere mit „Paludikultur“ – dem Anbau von Gräsern wie Seggen und Binsen, die zu Dämmstoffen oder Pellets verarbeitet werden. Allerdings fehle es an Absatzmärkten, weshalb er auf staatliche Förderung angewiesen sei. **Politik hinkt hinterher** Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung von Mooren verlange bis 2030 die Renaturierung von 30 % der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen. Doch es fehle an verbindlichen Umsetzungsplänen und langfristiger Förderung. Experten kritisierten, dass die bestehende Moorschutzstrategie zu wenig ambitioniert und zu kurzfristig angelegt sei. **Lösungsansätze für eine moorschonende Landwirtschaft** Klimaökonomin Claudia Kemfert skizziere ein Fördermodell mit drei Säulen: Grundförderung pro Hektar, Investitionshilfen für Wertschöpfungsketten und staatliche Nachfrage nach Moor-Biomasse. Zusätzlich könnten Landwirt:innen für Ökosystemleistungen wie CO₂-Speicherung oder Hochwasserschutz bezahlt werden. ### Einordnung Die Episode überzeugt durch eine **klare Struktur** und **praktische Beispiele**, die den Konflikt zwischen Landwirtschaft und Moorschutz greifbar machen. Besonders stark ist die Einbindung von Betroffenen wie Landwirt Wellner, dessen Perspektive die wirtschaftlichen Hürden plastisch vermittelt. Die Studie zur CO₂-Bilanz von Mooren liefert eine wichtige **wissenschaftliche Grundlage**, die das Problem quantifiziert und politische Handlungsnotwendigkeiten aufzeigt. Kritisch bleibt, dass **ökonomische Logiken** kaum hinterfragt werden: Die Diskussion kreist um „Wertschöpfung“ und „Marktchancen“, während alternative Modelle (z. B. eine grundsätzliche Reduktion landwirtschaftlicher Nutzung) ausgeblendet werden. Auch die **Rolle der Politik** wird zwar problematisiert, aber nicht vertieft – etwa, warum trotz bekannter Fakten so wenig passiert. Ein Zitat von Kemfert fasst die Herausforderung zusammen: > *„Moorumbau ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine Investition über Jahrzehnte.“* Die Folge lohnt sich für alle, die verstehen wollen, wie Klimaschutz und Landwirtschaft zusammengehen *könnten* – und warum es bisher nicht gelingt. ### Sprecher:innen * **Markus Schödel** – Moderator, ARD Klima Update * **Claudia Plaß** – Journalistin, Schwerpunkt Landwirtschaft/Umweltpolitik * **Claudia Kemfert** – Klimaökonomin, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)