The Lawfare Podcast: Lawfare Daily: Beyond the Headlines: A History of U.S.-Iran Relations
The Lawfare Podcast analysiert die 300-jährige, oft überraschend positive Geschichte der amerikanisch-iranischen Beziehungen.
The Lawfare Podcast
48 min read3762 min audioIn dieser Episode des „The Lawfare Podcast“ interviewt Ariane Tabatabai den Historiker John Ghazvinian zu seinem Buch über die Geschichte der amerikanisch-iranischen Beziehungen von 1720 bis in die Gegenwart. Das Gespräch löst sich bewusst von der aktuellen sicherheitspolitischen Eskalation – die zu Beginn der Episode durch die Moderation unhinterfragt als anhaltender Krieg als gegebene geopolitische Realität gesetzt wird – und nimmt eine historische Makroperspektive ein.
Ghazvinian dekonstruiert dabei die gängigen Narrative und Begründungsmuster beider Seiten: Weder die US-zentrierte Fokussierung auf die Geiselnahme 1979 noch die iranische Fixierung auf den CIA-Putsch 1953 reichten aus, um die Dynamik zu verstehen. Die Suche nach einer historischen Schuldfrage wird als falsche Herangehensweise gerahmt. Stattdessen wird historisch hergeleitet, wie gegenseitige Faszination, religiös geprägte Projektionen und geopolitische Idealisierung die ersten Jahrhunderte der Beziehungen prägten, bevor sich die Konfliktlinien des 20. Jahrhunderts manifestierten.
### Zentrale Punkte
* **Romantisierung Persiens**
Ghazvinian erkläre, dass nordamerikanische Siedler:innen Persien im 18. Jahrhundert als exotisches, weniger feindseliges Gegengewicht zum osmanischen Reich idealisiert hätten.
* **Die USA als sanfte Macht**
Im 19. Jahrhundert hätten iranische Nationalist:innen die USA als fortschrittliche westliche Nation betrachtet, der jedoch die imperialistische Gier Großbritanniens oder Russlands fehle.
* **Politisierung der Historie**
Die historische Tatsache, dass die CIA maßgeblich am Sturz des Premierministers Mossadegh beteiligt war, werde heute oft aus politischen Motiven des Regimewechsels verleugnet, so der Historiker.
* **Strategische Anlehnung**
Der letzte Schah habe nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt die Nähe zu den USA gesucht, um sein Land vor den massiven Einmischungen der britischen und sowjetischen Großmächte zu schützen.
### Einordnung
Die Episode leistet eine fundierte historische Kontextualisierung, die weit über tagespolitische Konfliktlinien hinausgeht. Ghazvinian dekonstruiert überzeugend die Genese nationaler Feindbilder. Er benennt klar, wie heutige politische Agenden den Blick auf Fakten verzerren, und kritisiert jene, „who go around masquerading as legitimate, serious historians“ (die sich als legitime, ernsthafte Historiker ausgeben), um die amerikanische Rolle beim Putsch 1953 umzudeuten. Gleichzeitig verbleibt das Gespräch weitgehend in einem staatszentrierten Raster: Die Perspektiven der breiten Zivilgesellschaft fehlen, stattdessen dominieren die diplomatischen Schachzüge politischer Eliten. Auffällig ist zudem, dass die Moderation den gegenwärtigen Konfliktzustand sprachlich als Normalität etabliert, während der Gast bemüht ist, genau diese Annahme einer zwangsläufigen Feindschaft historisch zu widerlegen.
**Hörempfehlung**: Sehr empfehlenswert für alle, die die tieferen historischen Wurzeln der amerikanisch-iranischen Beziehungen jenseits der etablierten Krisen-Narrative verstehen möchten.
### Sprecher:innen
* **Ariane Tabatabai** – Public Service Fellow bei Lawfare und Moderatorin
* **John Ghazvinian** – Historiker, Autor und Experte für amerikanisch-iranische Geschichte