Scott Galloway spricht mit der Psychotherapeutin Esther Perel über die Krise moderner Beziehungen am Arbeitsplatz und darüber hinaus. Perel beschreibt vier „Pfeiler“ für starke Bezieungen im Büro: Vertrauen, Zugehörigkeit, Anerkennung und kollektive Resilienz. Remote-Arbeit verstärke eine „soziale Atrophie“ und führe zu „desocialisierten, asexuellen Männern“. Die Folge zeigt sich als Wohlfühlgespräch ohne kritische Nachfragen; bekannte Daten zur „relationship crisis“ werden ohne Quellenangaben wiederholt. Perspektiven von Kolleg:innen, Betroffenen oder empirischen Gegenstimmen fehlen. Die Gesprächspartner:innen sprechen von „Wissenschaft“ und „1,5 Milliarden Datenpunkten”, geben aber keine Details an. Fazit: Unterhaltend, aber wenig journalistisch recherchiert.

Remote-Arbeit verstärke „soziale Atrophie“

Perel sagt, „wir erleben eine Superposition“ aus bereits vorhandener Isolation, kontaktlosem Leben und nun zusätzlichem Remote-Work: „Ich würde lieber zu Hause essen, als es vor Ort zu tun.“

Romantische Beziehungen verschieben sich vom „cornerstone“ zum „capstone“-Modell

Früher habe man mit spätem Teenager-Alter „mit jemandem zusammenlebend“ begonnen; heute „treffen wir uns erst, wenn alles andere bereits etabliert ist“. Junge Männer würden „weniger produktiv“ mit unerfüllter Beziehungsenergie umgehen.

74 % von Restaurant-Food würde „to-go“ bestellt – Hinweis auf kollektive Entsozialisierung

„Hanging out ist essentiell für Sozialisation“, sagt Perel und bezieht sich auf die Statistik: „74 % des Essens, das in Restaurants gekocht wird, wird nicht vor Ort gegessen.“

„Beziehungsintelligenz“ als neue Wettbewerbsvorteile für Unternehmen

Unternehmen buchen Perel, weil „Beziehungen zum neuen Bottom Line“ würden. „Was können Menschen, was AI noch nicht kann?“ – Vertrauen, Zugehörigkeit, kollektive Resilienz.

Kolleg:innen bräuchten „resozialisiert“ zu werden

Ein bloßes „Return-to-Office” reiche nicht: „Du bekommst eine ganze Generation mit einem Defizit an Sozialfähigkeiten, wie wir es noch nie geseben haben.“

Storytelling-Spiel als Intervention für „Dead-Silence” in Meetings

Perel nutzt eine „100-Karten-Box“ mit Fragen wie „Die Feedbacks, die ich früher bekommen hätte sollen …“ um „Aufmerksamkeit, Zuneigung und Neugier” zurückzugewinnen.

Einordnung

Die Episode ist frei von journalistischer Rigorosität. Galloway moderiert ausschweifend und stottert – „I want to go an hour deep on every single question“ –, verzichtet aber auf Faktencheck oder Gegenstimmen. Die prominente Expertin Perel spricht mit Autorität, liefert jedoch nur Anklängen von Daten („1,5 Milliarden Punkte“) und nutzt dramatische Metaphorik („neue Spezies desocialisierter Männer“). Wichtige Perspektiven – etwa Betroffene, Remote-Arbeit-Befürworter:innen oder empirische Studien – fehlen. Die Diskussion reproduziert stattdzt einen einzelnen „Verarmung“-Narrativ, ohne die kolonialen, ökonomischen oder technologischen Machtverhältnisse zu hinterfragen. Wer eine unterhaltsame Selbst-Reflexion sucht, ist hier richtig; wer nüchterne Analyse erwartet, besser nicht.