Das Video "«Weniger Straftaten und Gewaltkriminalität in Deutschland!» Tatsächlich?" vom COMPACT-Magazin (ca. 13 Minuten) interpretiert die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 als politische Täuschung. Die Moderator:innen Paul Klemm und Dominik Maximilian Reichert behaupten, dass offizielle Rückgangsmeldungen statistische Tricks vorenthalten und die Rolle von Migration bei Gewaltdelikten verschleiert werde. Das Format versteht sich als "Brennpunkt" gegen den angeblichen "Mainstream".

1. Cannabis-Entkriminalisierung als vermeintlicher Statistik-Trick

Die Moderator:innen behaupten, der Rückgang der Gesamtkriminalität sei primär auf die Cannabis-Entkriminalisierung zurückzuführen. Reichert erkläre, der "Hauptgrund" sei, "dass sich jetzt in dieser Kriminalstatistik erstmalig vollumfänglich die Entkriminalisierung von Cannabis widerspiegelt", wodurch Kiffer nicht mehr verfolgt würden und entsprechende Zahlen fehlten.

2. Ausländer:innen als überproportional gewalttätig dargestellt

Es werde behauptet, Nichtdeutsche seien bei Gewalttaten überrepräsentiert. Klemm führe aus: "Bei Gewalttaten haben wir 42,9 % nichtdeutsche Tatverdächtige", die nur 15 % der Wohnbevölkerung stellten. Besonders hervorgehoben würden Afghan:innen und Syrer:innen, wobei behauptet werde, afghanische Frauen seien krimineller als deutsche Männer.

3. Kritik an "Mainstream"-Medien als verharmlosend

Etablierte Medien würden als "Mainstream" diskreditiert und deren Einordnungen als "grotesk" abgetan. Reichert kritisiere einen ARD-Experten, der höhere Anzeigebereitschaft bei Sexualdelikten anführe, als "dubios". Auch die Tagesschau-Erklärung, soziale Faktoren beeinflussten die Statistik, werde als "skurril" bezeichnet, weil sie die Zahlen nur erkläre, nicht widerlege.

4. Vermeintliche "Offensive gegen die traditionelle Familie"

Reichert behaupte, es gebe eine "politisch-mediale Großoffensive gegen die traditionelle Familie". Anlass sei ein Zitat eines Kriminalbeamten, Frauen sollten "besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen". Dies werde als Angriff auf Ehegattensplitting und Familienversicherung gedeutet, wobei Grüne und Linke als Feinde der Familie markiert würden.

5. Straßenkriminalität als Vorwand für digitale Überwachung

Die Moderator:innen suggerierten, die Politik nutze Straßenkriminalität als Vorwand für digitale Überwachung. Reichert spreche von "digitaler Diktatur" und behaupte, mit der "Vorratsdatenspeicherung" solle "die Anonymität im Internet [...] komplett genommen werden". Dies werde als "Propaganda" bezeichnet, die "ins Gesicht gespuckt" werde.

6. Emotionalisierung durch Einzelschicksale und Produktwerbung

Das Video nutze ein Interview mit einem männlichen Vergewaltigungsopfer für Emotionalisierung und werbe für das Sonderheft "Mädchen, Messer, Morde". Klemm betone, Compact habe die "Morde [...] nicht vergessen". Die verurteilte AfD-Politikerin Marie-Therese Kaiser werde zur Heft-Vorstellung eingesetzt.

Einordnung

Das Video operiert als rechtsgerichtetes Meinungsformat mit dem Anspruch, „die ungeschönte Wahrheit“ zu zeigen, die angeblich von „Altparteien“ und „Mainstream-Medien“ verschwiegen werde. Die Argumentationsstrategie folgt einem Muster selektiver Wahrnehmung: Statistische Daten werden isoliert betrachtet, kontextualisierende Faktoren (wie das Alter der Tatverdächtigen oder methodische Unterschiede zwischen Tatverdächtigen- und Täter:innenzahlen) als „Ausreden“ abgetan und verschiedene gesellschaftliche Krisen zu einem konsistenten Bedrohungsnarrativ verschmolzen. Dabei werden Migration, Feminismus und staatliche Überwachung zu einer angeblichen Verschwörung gegen das „deutsche Volk“ und die „traditionelle Familie“ verknüpft, was typische Elemente rechter Ideologie reproduziert.

Besonders problematisch ist die methodische Vermischung von Korrelation und Kausalität sowie die kollektive Kriminalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen ohne differenzierte Analyse. Die visuelle Inszenierung nutzt professionelle Studio-Elemente und Grafiken zur Autoritätsinszenierung, während gleichzeitig etablierte Medien delegitimiert werden. Der Appell an „noch nicht politisch aufgewachte“ Deutsche und die explizite Erwähnung von AfD-Umfragewerten zeigen das eigentliche Ziel: Mobilisierung für eine rechte Agenda unter dem Deckmantel der Aufklärung. Die Instrumentalisierung von Gewaltopfern und die Heroisierung verurteilter Politiker:innen wie Marie-T