In dieser Live-Ausgabe des „ARD Klima Update“ auf der Leipziger Buchmesse sprechen Markus Schödel und Theresa Brenner mit der Energieökonomin Claudia Kemfert. Im Zentrum steht die Diagnose eines aktuellen „fossilen Rollbacks“, bei dem politische Entscheidungen den Ausbau erneuerbarer Energien blockieren würden. Das Gespräch gleicht einem wohlwollenden Interview, bei dem kritische Rückfragen primär als Stichworte für Kemferts Thesen dienen. Dabei wird eine marktökonomische Logik als selbstverständlich vorausgesetzt: Der Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen wird durchgehend an finanziellen Einsparpotenzialen, globaler Wettbewerbsfähigkeit und der Erhaltung beziehungsweise Schaffung von Arbeitsplätzen gemessen. Die Bewältigung der Klimakrise wird somit als reine Management- und Technologieaufgabe gerahmt, die durch den freien Markt und technische Innovationen effizient lösbar sei, sofern die Politik nicht durch inkompetente Eingriffe störend einwirke. ### Zentrale Punkte * **Rückstand der Autobauer:** Die heimische Industrie habe durch das Festhalten am Verbrenner den Anschluss verloren. China sei durch frühzeitige staatliche Strategien bei der Elektromobilität uneinholbar enteilt. * **Kostenfalle Gasheizung:** Der Einbau neuer fossiler Heizungen werde durch steigende CO2-Preise bald extrem teuer. Gleichzeitig drohe dem Gasnetz durch sinkende Nutzerzahlen ein unbezahlbarer Kostenkollaps. * **Absage an Atomenergie:** Der Bau neuer Kernkraftwerke sei ökonomisch völlig unsinnig, da er gigantische Subventionen erfordere. Zudem sei die Technologie für flexible, erneuerbare Stromnetze ungeeignet. * **Orchestrierte Shitstorms:** Kemferts Aussagen zu Speichern seien gezielt entstellt worden. Dies zeige exemplarisch, wie bestimmte Akteur:innen systematisch mediale Kampagnen gegen die Energiewende befeuern würden. ### Einordnung Die Episode besticht durch Kemferts Gabe, energiemarktliche Zusammenhänge – wie Netzaufbau oder Preisbildungsmechanismen – hochgradig verständlich aufzubereiten. Die Einbindung von Publikumsfragen bringt zudem alltagsnahe Perspektiven, etwa zum Rohstoffabbau für E-Autos, in die ansonsten oft abstrakte Debatte. Problematisch bleibt jedoch die diskursive Rahmung politischer Kompromisse: Abweichende Entscheidungen werden pathologisiert und als irrationaler „energiepolitischer Kurzschluss“ abgewertet. Die dahinterliegenden sozialen Aushandlungsprozesse oder ideologischen Konflikte werden kaum als legitimer Teil der Demokratie verhandelt. Die Diskussion verbleibt tief in einem technokratischen Lösungsdenken, in dem Wachstumslogik und kapitalistische Verwertungsinteressen als Fixsterne unhinterfragt bleiben. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die griffige, ökonomisch fundierte Argumente für Alltagsdebatten rund um das Heizungsgesetz und die Verkehrswende suchen. ### Sprecher:innen * **Markus Schödel** – Co-Moderator und Journalist für das „ARD Klima Update“ * **Theresa Brenner** – Co-Moderatorin und Journalistin für das „ARD Klima Update“ * **Prof. Claudia Kemfert** – Energieökonomin und Autorin mit Fokus auf Klimapolitik * **Lisa Krauser** – Journalistin beim SR (Gastbeitrag/Podcast-Tipp)