Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der Weltwoche, beginnt seine „Morgenpredigt“ mit grundsätzlichen Betrachtungen über den Menschen als „kriegerisches Tier“ und lobt die Schweiz als Gegenmodell, deren Erfolg er auf die direkte Demokratie und die Souveränität der Bürger:innen zurückführe. Deutschland hingegen attestiert er eine „institutionalisierte Arroganz der Politik“. Die Episode präsentiert sich als bewusster Gegenentwurf zu dem, was Köppel als „Political Correctness“, „Brandmauer“-Mentalität und „salonfähige Verlogenheit“ bezeichnet. Angekündigt und kommentiert werden Gespräche mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, dem neurechten Vordenker Götz Kubitschek sowie dem russischen Propagandisten Wladimir Solowjow. Diese Auswahl wird nicht journalistisch eingeordnet, sondern als Akt der „Völkerverständigung“ und Mutprobe gegen „Denkverbote“ dargestellt. Köppel setzt die Prämisse, dass der öffentliche Diskurs von einer „manipulativen Sprachverdrehung“ beherrscht werde und er diesen durch das bloße Zulassen anderer Stimmen kurieren könne.

Zentrale Punkte

  • Die große Diskursinszenierung Köppel stelle sein Programm als Befreiungsschlag gegen eine angeblich allgegenwärtige Meinungskontrolle dar. Die Einladung von Reizfiguren wie Höcke oder Solowjow werde als mutiges Zulassen von Kontroversen verkauft, wobei die eigene Haltung als nonchalant und unabhängig erscheinen solle.
  • Relativierung durch „mündiges Urteil“ Die Verantwortung für die Einordnung der Gäste und ihrer Aussagen werde konsequent an das Publikum delegiert. Köppel behaupte, selbst keine abschließende Bewertung vorzunehmen, und inszeniere sich als bloßer Ermöglicher eines offenen Gesprächs unter urteilsfähigen Menschen.
  • Rechts-außen-Normalisierung als Gegenentwurf Positionen aus dem rechten Spektrum – etwa die Frage, was das „deutsche Volk“ sei – würden als zentrale, wehrhaft gegen den „Verfassungsschutz“ zu diskutierende Fragen dargestellt. Die politische und historische Dimension der Begriffe werde dabei explizit von der NS-Ideologie gelöst und für harmlos erklärt.

Einordnung

Köppels Sendung lebt von der konsequenten Darstellung als Außenseiter in einem angeblich gleichgeschalteten Medienbetrieb – eine Rolle, die er pointiert und rhetorisch versiert ausfüllt. Der Wert liegt in der dokumentarischen Funktion: Man erlebt, wie sich ein selbsternanntes Gegenmodell zum öffentlich-rechtlichen Diskurs sprachlich und argumentativ aufstellt.

Die Analyse bleibt jedoch konsequent der eigenen Selbstbestätigung verhaftet. Köppel ersetzt Einordnung durch Provokation und setzt sich mit den Prämissen seiner Gäste kaum auseinander; stattdessen werden Konfliktlinien – etwa mit Deutschland oder der EU – durch Pauschalisierungen („Egozeitalter“, „Arroganz“) eher emotional unterfüttert als analysiert. Der Gestus des „Urteilen Sie selbst!“ delegiert journalistische Verantwortung und schützt den Moderator davor, selbst Farbe bekennen zu müssen. Bedenklich ist die sprachliche Angleichung an rechtspopulistische Topoi, etwa wenn das Wort „völkisch“ als bloßes „Gaunerwort“ der politischen Gegenseite abgetan wird. Ein Satz wie: „diese ganze salonfähige Verlogenheit, dass man die einmal zertrümmern muss“ offenbart den klaren Willen zur Sprach-Eskalation, nicht zur Differenzierung.

Hörwarnung: Die Sendung normalisiert Begriffe und Personen des äußersten rechten Randes, ohne deren Agenda offenzulegen, und betreibt eine verschwörungsnahe Delegitimierung demokratischer Institutionen.

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Verleger und Chefredakteur der Weltwoche, ehemaliger SVP-Nationalrat