Das Klima-Update vom 8. Mai 2026 widmet sich gleich drei zentralen Baustellen der deutschen Klimapolitik. Moderatorin Susanne Schwarz und ihre Kollegin Tabea Kirchner ziehen eine erste Bilanz des Deutschlandtickets, das seit drei Jahren gilt und zwei Preiserhöhungen hinter sich hat – mit gemischten Ergebnissen für den Klimaschutz. Die beiden Journalistinnen nehmen außerdem die Debatte um negative Strompreise auseinander, die regelmäßig als Argument gegen den Ausbau erneuerbarer Energien angeführt werde. Schließlich befassen sie sich mit dem Referentenentwurf für ein neues Heizungsgesetz, das die Vorgaben der Ampelregierung zum Austausch fossiler Heizungen kippen solle.
Die Folge verhandelt ihre Themen aus einer klar klimajournalistischen Perspektive. Die Beiträge liefern Faktenchecks, ordnen politische Narrative ein und machen Interessenkonflikte sichtbar.
Zentrale Punkte
- Deutschlandticket: Klimaeffekt da, Ausbau fraglich Das Ticket habe 2023 dazu geführt, dass 5 % weniger Kilometer mit dem Auto zurückgelegt und 6,5 Millionen Tonnen CO₂ eingespart worden seien. Die Preiserhöhungen auf 63 € schreckten jedoch viele ab – fast ein Viertel der Nicht-Nutzenden finde den Preis zu hoch.
- Negative Strompreise: Kein Beleg für „zu viel” Ökostrom Negative Preise an sonnigen Wochenenden seien eine Folge fehlender Speicher, nicht eines Überangebots. Die Bundesregierung plane jedoch, durch Kürzung von Entschädigungen bei Abregelungen den Ausbau zu bremsen, statt Netze und Speicher auszubauen.
- Heizungsgesetz: Rückkehr zu fossilen Brennstoffen Der Entwurf von Schwarz-Rot sehe vor, die 65-%-Erneuerbaren-Vorgabe für neue Heizungen abzuschaffen. Stattdessen solle ein steigender Pflichtanteil an Biobrennstoffen wie Biomethan eingeführt werden – eine Regelung, die das Ziel der Klimaneutralität 2045 nicht plausibel erreichen lasse.
Einordnung
Die Episode überzeugt durch ihre faktenbasierte Herangehensweise. Die Aussagen zu den negativen Strompreisen werden mit konkreten Zahlen unterlegt und das politisch verbreitete Narrativ eines „Überangebots” an Ökostrom als interessengeleitet entlarvt. Die Moderatorinnen führen keine Scheindebatten, sondern benennen klar, wo Klimaziele und Regierungshandeln auseinanderklaffen.
Allerdings bleibt die Diskussion innerhalb eines Rahmens, der bestimmte Annahmen als selbstverständlich voraussetzt. Die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum wird nicht hinterfragt, obwohl die Forderung nach steigendem Stromverbrauch durch E-Autos und Wärmepumpen genau auf dieser Prämisse ruht. Die geplante Kostenaufteilung zwischen Mietenden und Vermietenden beim Heizungsgesetz wird als Fortschritt bewertet, ohne die grundsätzliche Machtasymmetrie im Mietverhältnis zu thematisieren. Auffällig ist, dass die Perspektive derjenigen, die sich keine energetische Sanierung leisten können, nur am Rande vorkommt – und wenn, dann vermittelt über Verbände wie den Mieterbund.
Das zitierte Urteil zum Heizungsgesetz bringt die Haltung des Podcasts auf den Punkt: „Das ist eine offene Kampfansage an die Klimaneutralität 2045, obwohl letztere ja gesetzlich vorgeschrieben ist”. Die Direktheit dieser Aussage zeigt, dass das Format auf klare Benennung von Widersprüchen setzt, statt sich hinter ausgewogenem Sowohl-als-auch zu verstecken.
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die sich mit den aktuellen klimapolitischen Weichenstellungen der Merz-Regierung auseinandersetzen wollen, liefert diese Folge eine kompakte und informationsreiche Einordnung.
Sprecher:innen
- Susanne Schwarz – Moderatorin, Redakteurin bei der taz
- Tabea Kirchner – Redakteurin im taz Klimahub, zuständig für @klima.taz