In dieser Ausgabe von «Weltwoche Daily» wirbt Roger Köppel ausführlich für seine Publikation und sein neues Podcast-Format «Köppel vs. Solowjow». Die Episode ist weniger Nachrichtenüberblick als ein langes Selbstporträt des Mediums: Die Weltwoche wird als einzigartig unabhängige, vielfältige und heitere Gegenstimme zu einem politischen und medialen Einheitsbrei dargestellt. Köppel inszeniert sich dabei als Herausforderer, der bewusst Tabus bricht – etwa durch Gespräche mit dem in Europa sanktionierten russischen Fernsehjournalisten Wladimir Solowjow. Die Eigenständigkeit des Blattes, so die wiederkehrende Botschaft, zeige sich gerade darin, dass es Positionen zulasse, die anderswo unterdrückt würden. Politische Vorgänge – vom Iran-Deal über die AHV-Finanzierung bis zur Plagiatsaffäre einer SVP-Nationalrätin – werden als Belege für eine um sich greifende Überforderung und Doppelmoral der politischen Klasse gedeutet.

Zentrale Punkte

  • Unabhängigkeit als Alleinstellungsmerkmal Die Weltwoche sei eine der letzten unabhängigen Stimmen, die gezielt das Einvernehmen störe und auch unbequeme Akteure wie Wladimir Solowjow zu Wort kommen lasse. Dies unterscheide sie von anderen Medien, die oppositionslos die Brüsseler Linie nachbeten würden.
  • Sparen statt Steuererhöhungen Die Bundesratsparteien seien unfähig und unwillig, im Staatshaushalt zu sparen, während man 5 Milliarden für die Ukraine und 50 Milliarden für Subventionen ausgebe, aber nichts für die AHV übrig habe. Dies sei ein Schlag ins Gesicht der Rentner:innen und beweise politische Dekadenz.
  • Doppelmoral im Umgang mit Stil und Sanktionen Der Westen werfe Russland Autokratie und Unterdrückung vor, betreibe aber in der Schweiz selbst Zensurversuche gegen «Desinformation» und sanktioniere Andersdenkende. Köppel vergleiche die Schweizer «Propagandadilettanten» im Bundeshaus direkt mit der russischen Medienpolitik.

Einordnung

Die Folge ist eine programmatische Selbstvergewisserung der Weltwoche, die Journalismus und Eigenwerbung unauflöslich vermischt. Köppel entwirft ein binäres Weltbild: Auf der einen Seite die unabhängige, heitere Vielfalt seiner Redaktion, auf der anderen Seite eine gleichgeschaltete politisch-mediale Klasse, die sich an «Brüssel» orientiere, missliebige Meinungen sanktioniere und am eigenen Wohlstand scheitere. Der Gastgeber räumt interne Differenzen offen ein und zeigt eine gewisse Selbstironie, wenn er den eigenen «taktischen» Gutmenschengestus kommentiert. Formulierungen wie «einmal bin ich der eine, einmal der andere» deuten auf ein rollenbewusstes Spiel mit Provokation und Anpassung hin.

Was nicht hinterfragt wird, ist die Rahmung, dass gemeinsame Gesprächsformate mit sanktionierten russischen Staatsmedienvertretern per se eine «Brücke der Verständigung» darstellen. Die dabei geübte Kritik an westlicher Sanktionspraxis dient gleichzeitig dazu, die eigene Position als die eigentlich liberale zu markieren. Die Gleichsetzung westlicher Regulierung von Desinformation mit russischer Autokratie ist eine argumentative Figur, die ohne Differenzierung auskommt und den Gastgeber in eine moralisch überlegene Außenseiterrolle rückt. Köppels ständiges Werben für Abonnements – «Machen Sie mir eine Freude» – verkoppelt journalistischen Anspruch mit persönlicher Gefälligkeit und erschwert die Trennung von Kommentar und kommerziellem Appell.

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Chefredaktor und Herausgeber der Weltwoche, Gastgeber des Formats