Der Talk bei Markus Lanz vom 29. Mai 2025 widmet sich zwei großen Themen: der vermeintlichen Neuerfindung von Markus Söder als seriösen Politiker und dem Zustand der Großen Koalition. Zu Gast sind der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Dorn, der Journalist Robin Alexander, die Ökonomin Veronika Grimm und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Söders Imagewandel sei eine Reaktion auf innerparteilichen Druck
Robin Alexander diagnostiziere eine „tiefe Krise“ der CSU nach verlorenen Kommunalwahlen und bundesweit unter fünf Prozent in Umfragen. „Söder brennt der Rock an allen Ecken“, so Alexander. Die Ankündigung, auf „Söder-Isst“-Posts zu verzichten, sei eine „Flucht nach vorn“ angesichts „anschwellender Zweifel in der Landtagsfraktion“. Söder wittere eine mögliche Kanzlerchance.
Die Koalition sei handlungsunfähig, aber ohne den Saboteur von einst
Anders als in der Ampel, wo Karl Lauterbach Christian Lindner eine „Zockermentalität“ unterstellte, fehle nun der Wille zur Sabotage. Dennoch sei das Krisentreffen in der Villa Borsig gescheitert. Alexander beschrieb die paradoxe Lage: „[A]lle Beteiligten sagten, da ist etwas richtig daneben gegangen, das ist ein Unglück passiert, aber keiner weiß, wie es weitergeht. […] Die wollen, aber sie können nicht.“
Merz dementierte eine Liste, die es doch gab
In einem „überkonkreten Dementi“ habe Friedrich Merz bei Caren Miosga abgestritten, dass Lars Klingbeil eine Liste mit Subventionskürzungen vorgelegt habe. Alexander widersprach: Lutze habe mehrere konkrete Punkte referiert, die er sich vorher notiert hatte. Die Union habe pauschal alle abgelehnt.
Söders Kanzlerambitionen blieben virulent
Mehrere Gäste bestätigten, dass Söder sich erneut bundesweit in Stellung bringe. Er sei ein „Instinktpolitiker“, der selbst eine kleine Chance nutze. Karl Lauterbach kommentierte trocken: „Ich glaube, die These ist steil, dass er in der Not […] davon träumt, Friedrich Merz beerben zu können.“
Lauterbach lobte Söders Verhandlungsgeschick
SPD-Minister Lauterbach widersprach dem Bild des reinen Populisten. In Verhandlungen habe er Söder als „zuverlässig“ und jemanden erlebt, mit dem man sich „ganz gut einigen kann“. Es gelte, zwischen öffentlicher Persona und privatem Politikstil zu unterscheiden.
Die Reformunfähigkeit habe strukturelle und inhaltliche Gründe
Während Lauterbach große Durchbrüche bei Rente, Pflege und Steuern bis zur Sommerpause versprach, blieb unklar, wie die Blockade gelöst werden soll. Das Scheitern von Villa Borsig zeige, dass der Wille allein nicht reiche – es fehle an gemeinsam getragenen Konzepten über Ad-hoc-Maßnahmen wie Tankrabatt oder Einmalprämien hinaus.