Roger Köppel kommentiert im Alleingang das Weltgeschehen und präsentiert die «andere Sicht» auf die Ukraine-Politik von Kanzler Merz, den Nahostkonflikt und die deutsche Innenpolitik. Die Kritik an Merz‘ Avancen gegenüber der Ukraine verknüpft er mit dem Vorwurf, die Ukraine habe mit der Nord-Stream-Sprengung die deutsche Energieinfrastruktur sabotiert – eine Tatsache, die eine EU-Integration absurd erscheinen lasse. Bei Israel verurteilt er zwar das Verhalten von Minister Ben-Gvir scharf, stellt dem aber umgehend die Gefahr durch das iranische Regime gegenüber und warnt davor, die Verhältnismäßigkeit israelischer Militäraktionen zu isoliert zu betrachten. Die deutsche CDU greife mit ihrer Anti-AfD-Broschüre zudem nicht nur die Partei, sondern auch deren Wähler:innen an und verliere dabei den Fokus auf die eigene Programmatik.

Zentrale Punkte

  • Merz und die Ukraine-Assoziierung Kanzler Merz treibe die EU-Assoziierung der Ukraine voran, obwohl das Land mitten in einem Krieg stecke und unter dringendem Verdacht stehe, mit der Nord-Stream-Sprengung Deutschlands zentrale Energieinfrastruktur sabotiert zu haben. Diese Politik sei das Letzte, was die EU brauche.
  • Das israelische Dilemma Israels Regierung schade sich mit Aktionen wie der von Minister Ben-Gvir selbst, und die Empörung darüber sei verständlich. Die Gefahr einer existentiellen Bedrohung durch den Iran und dessen brutale Kriegsführung würden in dieser einseitigen Debatte jedoch oft ausgeblendet, was zu einer gefährlichen Schieflage führe.

Einordnung

Köppels Monolog setzt stark auf die Inszenierung einer einsamen Stimme der Vernunft, die gegen einen vermeintlichen Mainstream anredet. Dies gelingt ihm am ehesten, wenn er auf reale Widersprüche hinweist, etwa das Spannungsfeld zwischen einer moralisierenden EU-Beitrittspolitik und den gleichzeitig bestehenden, schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen gegen Kiew. Der Verweis auf Deutschlands Wahlrecht und die Verantwortung der Wähler:innen lenkt geschickt von strukturellen Problemen ab und individualisiert politische Fehlentwicklungen. Die Rahmung der Nord-Stream-Sprengung als faktischer Angriff der Ukraine auf Deutschland verhärtet eine Feindbildkonstruktion, ohne die komplexe Gemengelage dieses ungeklärten Vorfalls zu diskutieren.

In seiner Nahost-Analyse baut die Argumentation auf einem Tauschgeschäft auf: Israels sichtbare Fehler werden benannt, um sofort mit den unsichtbaren, aber als weitaus schlimmer dargestellten Verbrechen des Irans aufgewogen zu werden. Die zivilen Opfer im Gazastreifen werden als „himmelschreiender Skandal“ zwar erwähnt, aber sogleich mit dem Verweis auf die Hamas-Infrastruktur in Wohngebieten relativiert. Diese Reihung zielt weniger auf Differenzierung als darauf, die Bewertung der israelischen Kriegsführung als moralisch fragwürdig zu delegitimieren – Kritik erscheint so nicht als notwendige Einzelfallprüfung, sondern als Zeichen von Einseitigkeit. Besonders auffällig ist Köppels Umgang mit Begriffen: Während er das iranische Vorgehen als „sehr, sehr brutales Regime“ beschreibt und die dortige Todesstrafe konkret benennt, umgeht er für die Verhältnisse in Gaza auffällig jede strukturelle Beschreibung.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die eine kohärente, bewusst gegen den Strich gebürstete konservative Argumentation zu mehreren komplexen Konflikten an einem Stück nachvollziehen möchten, bietet die Sendung eine klare thematische Agenda.

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Verleger und Chefredakteur der Weltwoche