In dieser Folge von Subscribe Now spricht Gastgeber Lennart Schneider mit Victoria Weber, Unternehmerin und Host des Podcasts Creatorway. Das Gespräch kreist um die Frage, wie sich Creator aus der Abhängigkeit von Social-Media-Plattformen befreien und mit eigenen Abo-Angeboten wirtschaftliche Unabhängigkeit aufbauen können. Als zentrale Herausforderung wird gesehen, dass Algorithmen die Sichtbarkeit von Inhalten immer stärker steuern und die Bindung der eigenen Community erschweren. Die Auseinandersetzung bewegt sich in einem ökonomischen Rahmen: Creators werden als Klein-Unternehmer gesehen, die über ihre Personenmarke Produkte und Abos vermarkten. Wiederkehrende Bezugspunkte sind die Reichweitenverluste auf Plattformen und die Suche nach beständigeren Einnahmequellen.

Zentrale Punkte

  • Memberships als unternehmerische Befreiung Memberships, verstanden als wiederkehrende Zahlungsmodelle, seien für Creator zunehmend attraktiver als einmalige Werbedeals. Sie böten planbare Einnahmen und machten unabhängiger von Promotionszyklen und den Regeln großer Plattformen. Entscheidend sei, dass das Produkt einen fortdauernden Nutzen stifte und nicht nach einmaliger Nutzung obsolet werde.
  • E-Mail als Ausweg aus der Algorithmus-Falle Angesichts schwindender organischer Reichweite setzten Creator verstärkt auf den Aufbau eigener E-Mail-Verteiler. Selbst etablierte Persönlichkeiten wie Schauspieler:innen entdeckten den Newsletter für sich. Mit interaktiven Formaten wie Kommentar-zu-DM-Automationen werde versucht, Nutzer:innen von den Plattformen auf eigene, kontrollierbare Kanäle zu lotsen.
  • Parallelen zwischen Creator Economy und Journalismus Einzelne Creator würden zunehmend wie kleine Medienunternehmen agieren und stünden vor ähnlichen Herausforderungen wie klassische Verlage. Der Unterschied liege im Maß an Autonomie und im Wegfall traditioneller Gatekeeper. Medienhäuser könnten von Creatorn lernen, wie Personenmarken aufgebaut werden – und müssten umgekehrt Talente mit Erfolgsbeteiligungen halten, um Abwanderung zu verhindern.
  • Algorithmus als Zielgruppenersatz und seine Folgen Der Algorithmus sozialer Plattformen spiegle letztlich das kollektive Nutzer:inneninteresse wider. Weil jedes einzelne Inhaltsstück heute wirtschaftlich bestehen müsse, fördere dies aufmerksamkeitsheischende, oft polarisierende Formate. Ein Abo-Modell könne hier befreiend wirken, da es nicht den Einzelverkauf jedes Beitrags erfordere und tiefgründigeren Inhalten Raum gebe.

Einordnung

Das Gespräch lebt von Victoria Webers praktischer Erfahrung mit verschiedenen Monetarisierungsmodellen und bietet einen facettenreichen Einblick in die Denkweise unternehmerisch handelnder Content-Schaffender. Die Beispiele reichen von globalen Phänomenen wie Mr. Beast bis zu Nischen-Newslettern und verdeutlichen, wie stark sich die Grenzen zwischen Journalismus, Unterhaltung und Produktvertrieb auflösen. Überzeugend ist die Analyse, wie sich die Rolle des Gatekeepers von Verlagen hin zu Algorithmen verschoben hat und welche Anreize für oberflächliche Inhalte dadurch entstehen.

Die Diskussion bleibt jedoch konsequent in einer ökonomischen Logik verhaftet: Erfolg wird primär an Umsatz, Skalierbarkeit und Bindungsdauer gemessen. Gesellschaftliche oder demokratische Funktionen von Inhalten – etwa der journalistische Auftrag, informierte Öffentlichkeit herzustellen – werden nicht eigenständig thematisiert. Die prekäre Lage vieler Creator:innen, die von Plattformen ökonomisch ausgebeutet werden, wird zwar am Rande erwähnt, aber eher bagatellisiert: Die Möglichkeit, mit eigenen Interessen überhaupt Geld zu verdienen, erscheint als Privileg. Kritische Aspekte der Creator Economy, etwa psychische Belastungen oder die Intransparenz algorithmischer Sortierung, werden nur gestreift. Webers nüchterne Feststellung, viele Creator hätten ein "Anspruchsdenken", veranschaulicht diesen klaren Fokus auf Marktmechanismen: "Und warum sollte ich einen Anspruch darauf haben, das zu machen, wofür ich mich interessiere und dafür bezahlt zu werden? Das nennt man dann ja eigentlich ein Hobby" ([01:21:05]).

Hörempfehlung: Lohnt sich für alle, die verstehen wollen, wie Creator wirtschaftlich denken und warum sich klassische Medienunternehmen mit deren Strategien auseinandersetzen sollten.

Sprecher:innen

  • Victoria Weber – Unternehmerin, Host des Podcasts Creatorway
  • Lennart Schneider – Host von Subscribe Now, Experte für Subscription-Modelle