Männer weinen heimlich: Tigges trifft Elena Carrière zwischen Berghain und Natur
Sebastian Tigges und Elena Carrière über toxische Beziehungen, Clubkultur als Befreiung und den Umgang mit alternden Eltern.
Männer weinen heimlich
71 min read3164 min audioIn dieser Episode von „tigges trifft“ unterhält sich Moderator Sebastian Tigges mit der Influencerin und Moderatorin Elena Carrière. Das Gespräch changiert zwischen intimen biografischen Anekdoten und gesellschaftlichen Beobachtungen. Carrière verhandelt dabei ihre persönliche Entwicklung entlang geografischer und mentaler Gegensätze: von der eskapistischen Freiheit der Berliner Clubkultur hin zur ländlichen Isolation als Ort der existenziellen Selbstreflexion nach einer Trennung.
Auffällig ist, wie unternehmerischer Erfolg und Konsumverhalten im Gespräch moralisch aufgeladen werden: Die Gründung einer eigenen nachhaltigen Olivenöl-Marke wird als verantwortungsvoller Gegenentwurf zum oberflächlichen Influencer-Kapitalismus gerahmt. Ebenso wird das Finden des „richtigen“ Partners als unausweichlicher Schlüssel zu tiefem inneren Frieden dargestellt, was klassisch-romantische Narrative unhinterfragt reproduziert und als Voraussetzung für emotionale Stabilität gesetzt wird.
### Zentrale Punkte
* **Eskapismus und Kontrolle**
Carrière beschreibe die Berliner Clubkultur als ultimativen Ausbruch aus einem zuvor strikt kontrollierten Leben und betrachte die völlige Anonymität als ein existenzielles Freiheitsgefühl.
* **Fünf Säulen der Partnerschaft**
Die Influencerin argumentiere, dass funktionierende Beziehungen auf mehreren Ebenen harmonieren müssten, wobei rein sexuelle Anziehungskraft nicht ausreiche und oft zu toxischen Dynamiken führe.
* **Radikalisierung junger Männer**
Männliche Jugendliche stünden heute an einem Scheideweg: Entweder entwickelten sie emotionale Intelligenz, oder sie würden aus Frust über ökonomische Hürden zunehmend in rechte Narrative abdriften.
* **Konsum als moralische Instanz**
Die Produktion von nachhaltigem Olivenöl werde von ihr als ethische Verpflichtung dargestellt, um sich von der profitorientierten und umweltschädlichen Merchandising-Kultur vieler Creator abzugrenzen.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine große biografische Offenheit. Tigges schafft durch aufmerksames Zuhören einen Raum, in dem Carrière auch verletzliche Themen wie Einsamkeit und das Altern der Eltern reflektiert. Kritisch ist jedoch die diskursive Verknüpfung komplexer gesellschaftlicher Themen mit stark vereinfachten Kausalitäten. So wird die Hinwendung junger Männer zu rechten Narrativen auf eine psychologisch-ökonomische Frustration auf dem Beziehungsmarkt reduziert, ohne tiefere politische Strukturen zu beleuchten. Zudem bedient sich Carrière einer Rhetorik der moralischen Überlegenheit, wenn sie ihr eigenes Business rahmt. Die Abgrenzung von der oberflächlichen Branche diene der eigenen Aufwertung, man dürfe sich „nicht versucht Menschen anzubiedern, nur um in einen gewissen Kreis reinzukommen“. Dass auch ihr Premium-Olivenöl letztlich Teil einer elitären Aufmerksamkeitsökonomie ist, bleibt dabei unhinterfragt.
### Sprecher:innen
* **Sebastian Tigges** – Moderator und Podcaster
* **Elena Carrière** – Model, Moderatorin und Influencerin