In dieser englischsprachigen Episode von „ChinaTalk“ diskutiert Host Jordan Schneider mit Kevin Hawickhorst die Geschichte und Zukunft der US-Bundesverwaltung. Im Zentrum steht die These, dass die Kompetenz staatlicher Behörden durch organisationsstrukturelle Faktoren bedingt sei. Dabei wird eine technokratische Perspektive eingenommen, die Bürokratie primär als Management-Herausforderung betrachtet. Historische Epochen der US-Verwaltung werden stark idealisiert, die Gegenwart hingegen als Phase der ineffizienten Verknöcherung gezeichnet. Der Staat wird fast ausschließlich durch die Linse unternehmerischer Machbarkeit und institutioneller Effizienz betrachtet. Auffällig ist in der Diskursführung, wie aktuelle politische Entwicklungen – konkret die zweite Trump-Administration und Initiativen wie DOGE (Department of Government Efficiency) – als rein strukturelle Maßnahmen zur dringend nötigen Effizienzsteigerung normalisiert werden. Dass es sich hierbei um ideologisch motivierte Eingriffe in die Staatsstruktur handelt, wird als Prämisse ausgeblendet. ### Zentrale Punkte * **Fachwissen statt Funktion** Hawickhorst argumentiere, dass frühe US-Behörden durch eine thematische Fokussierung exzellentes Fachpersonal angezogen hätten. Dies habe zu einer ehemals hohen staatlichen Leistungsfähigkeit geführt. * **Niedergang durch Umstrukturierung** Der Verfall der Verwaltung habe begonnen, als Behörden nach funktionalen statt nach thematischen Kriterien umorganisiert worden seien. Dies habe weitreichende pathologische Monokulturen in den Ämtern erzeugt. * **Erfolge der historischen Verwaltung** Die historische Bürokratie habe fundamentale Errungenschaften erzielt, etwa bei der Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft oder der wirtschaftlichen und infrastrukturellen Erschließung ländlicher US-Gebiete. * **Trump-Administration als Katalysator** Der politische Umbruch unter der zweiten Trump-Regierung werde als historische Chance verstanden. Die Zerschlagung alter Prozesse eröffne endlich den Raum für dringend benötigte organisatorische Verbesserungen. ### Einordnung Die Episode leistet eine detaillierte historische Aufarbeitung der US-Verwaltungsgeschichte jenseits bekannter Gesetzesreformen und liefert interessante Einblicke in die Organisationslogik des frühen 20. Jahrhunderts. Problematisch ist jedoch der vorherrschende technokratische Frame, der politische Gestaltungsmacht auf reine „Kompetenz“ und „Kapazität“ reduziert. Verwaltungshandeln wird als objektive Expertise ohne politische Implikationen dargestellt. Äußerst kritisch ist zu bewerten, wie die massiven Eingriffe der zweiten Trump-Administration in den Beamtenapparat als wertneutrale „Erweiterung dessen, was möglich ist“ verharmlost werden. Wenn Hawickhorst die bürokratische Forschung der 1920er Jahre lobt, da man damals noch ein ernstzunehmendes Land gewesen sei („we were a serious country back then“), bedient er unhinterfragt ein nostalgisches Verfallsnarrativ, das nahtlos an rechte Diskurse über den vermeintlich dysfunktionalen modernen Staat anknüpft. ### Sprecher:innen * **Jordan Schneider** – Host des Podcasts „ChinaTalk“ * **Kevin Hawickhorst** – Analyst bei der Denkfabrik „Foundation for American Innovation“