Die Frage, wie konstruktives Feedback gelingt, wird in dieser Episode als Suche nach den richtigen Techniken verhandelt. Der Beitrag besucht ein ausgezeichnetes Bildungszentrum in Magdeburg, befragt Schulpädagog:innen und psychologische Forscher:innen und begleitet Kommunikationsberater:innen in Berlin. Durchgängig setzt die Darstellung voraus, dass Rückmeldungen per se wünschenswert seien und dass man sie – bei guter Schulung – so formulieren könne, dass sie ihr Ziel erreichen. Feedback erscheint dabei vor allem als Frage des individuellen Könnens und der persönlichen Haltung, weniger als eine, die durch strukturelle Abhängigkeiten geprägt wird.

Zentrale Punkte

  • Die vier Ebenen des Feedbacks Feedback lasse sich nach Hattie und Timperley in personenbezogenes Lob, aufgabenbezogene Korrektur, prozessbezogene Begleitung und selbstregulative Hinweise unterteilen. Gerade die selbstregulative Rückmeldung sei für Lernende am wertvollsten, werde aber im Alltag am seltensten gegeben.
  • Psychologische Sicherheit als Fundament Ein zentraler Faktor für wirksames Feedback sei die psychologische Sicherheit im Team, die auf eine Google-Studie zurückgehe. In einem angstfreien Klima könnten Fehler offen angesprochen werden. Teams mit hoher psychologischer Sicherheit arbeiteten kreativer und risikofreudiger.
  • Beobachten statt bewerten Die Berliner Beratungsfirma Berlin Alley empfehle die Methode des „Spocking“: Rückmeldungen sollten beobachtbare Tatsachen beschreiben und nicht mit Bewertungen wie „grob“ oder „unsinnig“ starten. Erst auf dieser Grundlage könne ein Dialog über gewünschte Veränderungen entstehen.

Einordnung

Die Stärke des Beitrags liegt in seinem breiten Zugang: Wissenschaftliche Modelle werden mit Praxisbeispielen aus der Pflegeausbildung und der IT-Beratung verknüpft. Besonders die Kommunikationspsychologin Maja Juchaze bringt eine wertvolle Irritation ein, indem sie Kommunikation grundsätzlich als unwahrscheinlich beschreibt und auf die je eigenen Logiken der Beteiligten hinweist. Auch der Hinweis des Schulpädagogen Klaus Zierer, dass Feedback ohne Respekt zur „Technik“ verkomme, öffnet den Blick über reine Methodenfragen hinaus.

Kritisch bleibt, dass die Episode strukturelle Ungleichheit weitgehend ausblendet: Feedback wird aus der Perspektive von Leitungspersonen oder Berater:innen gedacht, die Hierarchien zwar erwähnen, aber nicht als mögliche Barriere problematisieren. Die Annahme, dass offene Rückmeldung immer möglich sei, wenn nur das Vertrauen stimme, unterschlägt existenzielle Abhängigkeiten in prekären Arbeitsverhältnissen. Zudem erscheint die berühmte Google-Studie zur psychologischen Sicherheit als unangefochtene Autorität, ohne dass deren methodische Grenzen zum Thema würden. Ein Zitat bringt die zentrale Spannung auf den Punkt: „Also Beispiele, wäre sowas wie du warst sehr grob vorhin im Meeting. Na, grob und sehr, das sind Bewertungen. Und die andere Person wird höchstwahrscheinlich daraufhin eine Diskussion anfangen“ – was die Berater Stefan Fob als vermeidbaren Irrweg beschreibt, könnte man auch als legitimes Aushandeln von Wahrnehmungen verstehen.

Hörempfehlung: Für Führungskräfte und Teammitglieder, die konkrete Methoden für besseres Feedback suchen und bereit sind, ihr eigenes Kommunikationsverhalten zu reflektieren.

Sprecher:innen

  • Sophie Chillwick – Autorin des Beitrags
  • Philipp Alfons Heitmann – Sprecher
  • Klaus Zierer – Professor für Schulpädagogik, Universität Augsburg
  • Christina Heinze – Leiterin Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Magdeburg
  • Janette Triskiel – Mitgründerin der Kommunikationsberatung Berlin Alley
  • Stefan Fob – Mitgründer der Kommunikationsberatung Berlin Alley
  • Maja Juchaze – Professorin für Kommunikationspsychologie, Hochschule Zittau/Görlitz
  • Jana Duckwitz – Psychologin, Universität Gießen
  • Hannah Klenk – Personalabteilung, IT-Beratung Pandata