Der Autor, ein anonymer Ex-Tech-Manager, verteidigt in dieser Ausgabe seine universalistische Position gegen linke Kritiker:innen, die ihm vorwarfen, mit seiner Analyse der chinesisch-iranischen Kriegsführung „Imperialisten zuzuarbeiten“. Er sieht in dieser Kritik eine intellektuelle Fehlentwicklung: Die Angst, durch Kritik an Regimen wie China indirekt amerikanische Hardliner zu stützen, führe zu einer Analyse-Paralyse. Der Autor nennt dies die „komparative Verengung“ – eine Haltung, bei der man autoritäre Gewalt nicht mehr benennen könne, weil das Benennen als falsche Parteinahme im falschen Konflikt gelte. Dagegen setzt er einen kompromisslosen liberalen Universalismus: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte dürften keine nationalen Ausnahmen kennen.
Er veranschaulicht dies an Taiwan, das er als funktionierende liberale Demokratie beschreibt, der mit militärischer Vernichtung gedroht wird, während manche Linke die Augen davor verschließen, um China als verantwortungsvolle Alternative zu den USA zu konstruieren. Auch die Masseninternierung der Uiguren, die Unterdrückung in Hongkong und das Verschwindenlassen von Dissident:innen zählt er zu den Realitäten, die unter den Tisch fallen, wenn man den Vergleichsrahmen ideologisch verengt. Gegen diesen Reflex setzt er das Ideal des liberalen Internationalismus eines Franklin D. Roosevelt: die Pflicht, „Tyrannen zu besiegen, die alle freien Menschen versklaven würden“. Selbst die aktuellen anti-amerikanischen Reflexe in Kanada, die sich Handelsvorteile von China erhoffen, kritisiert er scharf – mit dem Verweis auf Deutschlands fatale Energieabhängigkeit von Putin, die keine politische Zurückhaltung, sondern Hebelwirkung erzeugte.
Einordnung
Der Text ist eine rhetorisch brillante, philosophisch aber bewusst einseitige Intervention. Der Autor inszeniert sich als einsamer Rufer in der Wüste, der den verirrten linken Mainstream auf den Pfad der universellen Vernunft zurückführen will. Sein Argument hat zweifellos Stärken: Die Kritik an einem Anti-Imperialismus, der sich selektiv blind stellt, ist berechtigt. Ausgeblendet bleibt jedoch die historische Instrumentalisierung genau jener universalistischen Werte für imperiale Kriege; die pauschale Abwertung linker Vorsicht als „faktionelle Loyalität“ unterschlägt, dass die Sorge vor Vereinnahmung durch US-Kriegsinteressen rational ist. Zudem fehlt eine Auseinandersetzung mit der realen Gefahr, dass solch scharfe China-Kritik eben doch autoritäre Falken in Washington befeuert, ohne demokratische Kräfte in China zu stärken.
Der Newsletter ist daher eine bereichernde Lektüre für alle, die eine klare, liberal-universalistische Positionsbestimmung suchen und sich über die Selbstfesselung mancher linker Diskurse ärgern. Wer eine abwägende Debatte oder eine ernsthafte Einbeziehung anti-imperialistischer Perspektiven erwartet, sollte jedoch wissen: Hier wird mit großer Geste eine Front aufgemacht, nicht ein Dialog eröffnet.