Die phoenix runde nimmt Donald Trumps 80. Geburtstag zum Anlass, um eine Bilanz seiner Präsidentschaft und der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu ziehen. Die Diskussion kreist um die Frage, wie die Bundesregierung mit einer als unberechenbar und illiberal wahrgenommenen US-Administration umgehen sollte, ohne die eigenen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen zu gefährden.

Als selbstverständlich wird dabei vorausgesetzt, dass Deutschland auf die USA als Wirtschaftspartner und Sicherheitsgarant angewiesen sei und dass eine rein interessengeleitete Außenpolitik, losgelöst von moralischen Erwägungen, grundsätzlich erstrebenswert wäre. Das Gespräch ist dominiert von einem strategischen Blick auf das Verhältnis, bei dem es vor allem darum geht, wie man mit der Person Trump und seinem "MAGA-Lager" taktisch umgeht.

Zentrale Punkte

  • Außenpolitik als Interessenmanagement Die Diskussionsteilnehmerinnen stellen übereinstimmend fest, dass Deutschland seine Außenpolitik gegenüber den USA stärker an nationalen und europäischen Interessen ausrichten müsse. Moralische Kritik an Trump, so die einhellige Meinung, habe dem Verhältnis geschadet und sei strategisch unklug, da man weiterhin auf die Zusammenarbeit angewiesen sei.
  • Der "Kulturkampf" als unterschwellige Realität Während die einen den innenpolitischen "Kulturkampf" und den damit einhergehenden Abbau von Rechtsstaatlichkeit in den USA als dramatisch darstellen, warnen andere davor, sich als Deutsche in diesen Kampf einmischen zu wollen. Über die Auswirkungen auf die Legitimität des Partners jenseits wirtschaftlicher Stabilität wird unterschiedlich geurteilt.
  • Europa in der geopolitischen Zwickmühle In der Ukraine-Frage wird Deutschlands geschwächte Position bemängelt, da man keine neutrale "Maklerposition" mehr einnehmen könne. Parallel wird vor einem möglichen Deal zwischen Trump und Putin gewarnt, der über die Köpfe der Europäer:innen und Ukrainer:innen hinweg geschlossen werden könnte.

Einordnung

Die Episode bietet eine zugespitzte Darstellung der innenpolitischen Konfliktlinien, wie sie sich in der deutschen Diskussion über die USA wiederfinden. Die Stärke liegt darin, dass sie das praktische Dilemma der Bundesregierung deutlich macht: Wie hält man an einer Partnerschaft fest, wenn die normative Basis bröckelt? Der Hinweis, dass deutsche Firmen de facto unter Trumps Politik leiden (43 % weniger Investitionen), weil Rechtssicherheit fehlt, ist ein wertvoller Konter zu einer rein ideologisch geführten Debatte. Zugleich gelingt es, die unterschiedlichen strategischen Ansätze von SPD und AfD klar zu kontrastieren.

Kritisch bleibt die fast durchgängige Akzeptanz der Prämisse, dass eine "moralisierende" Politik per se schädlich sei und hinter reinen Wirtschaftsinteressen zurückstehen müsse. Dass Werte wie Rechtsstaatlichkeit selbst ein handfestes Interesse darstellen können – etwa für die von der Bertelsmann-Expertin erwähnten verunsicherten Investor:innen –, wird nicht konsequent zu Ende gedacht. Ebenfalls unterbelichtet bleibt die Perspektive derjenigen, die unter den beschriebenen "dramatischen" Entwicklungen in den USA konkret leiden, wie etwa die in neuen Lagerhallen internierten Menschen. Der AfD-Politiker Frohnmaier kann seine Positionen, inklusive der Kontakte nach Russland, nahezu unwidersprochen platzieren. Hier fehlt dem journalistischen Format die kritische Nachfrage, inwiefern etwa die Gespräche über eine Reaktivierung von Nord Stream durch einen "amerikanischen Betreiber" mit deutschen Interessen vereinbar sind. Eine Bemerkung des Journalisten Erik Kirschbaum bringt das Spannungsfeld auf den Punkt: "dass der Staat alles regelt [...] Jeder Amerikaner denkt, ich muss selber was machen und deswegen ist es eine ganz andere System" – und illustriert, wie kulturelle Wahrnehmungsmuster die politische Analyse formen.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die die innerdeutsche Debatte zur transatlantischen Strategie in Reinkultur beobachten wollen, bietet die Runde eine kompakte und einordnende Diskussion.

Sprecher:innen

  • Metin Hackverdi – SPD-Bundestagsabgeordneter und Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung
  • Markus Frohnmaier – Außenpolitischer Sprecher der AfD, Vorsitzender der AfD Baden-Württemberg
  • Kathrin Klüver-Eschbrock – Politikwissenschaftlerin, Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung
  • Erik Kirschbaum – US-amerikanischer freier Journalist mit Lebensmittelpunkt in Deutschland