Kanal Schnellroda: »Von rechts gesehen: 100 Filme, tolles Buch!« - Martin Lichtmesz im Gespräch mit Ellen Kositza
Kino von rechts: Martin Lichtmesz erklärt im Antaios-Podcast, wie Filme von Matrix bis Haneke für neurechte Metapolitik instrumentalisiert werden.
Kanal Schnellroda
58 min read3215 min audioIn dieser Episode des vom neurechten Verlag Antaios produzierten Podcasts stellt der Autor Martin Lichtmesz sein Buch „Lichtspielführer“ vor. Im Gespräch mit einem Verlagsvertreter wird ausführlich diskutiert, wie klassische Spielfilme und Popkultur für eine „neurechte Metapolitik“ nutzbar gemacht werden können. Das Kino wird dabei als metapolitisches Schlachtfeld gerahmt, auf dem es eine linke Deutungshoheit durch eine eigene, von rechts geführte Filmkritik zu brechen gelte.
Als unhinterfragte Prämisse durchzieht das gesamte Gespräch ein ausgeprägter Kulturpessimismus: Die moderne, westliche Gesellschaft wird als entwurzelt, multikulturell überfremdet und dekadent vorausgesetzt. Demgegenüber wird ein vages Konzept des „Sakralen“, „Heiligen“ und „Mythischen“ als essenzieller, erhaltenswerter Kern einer echten rechten Weltanschauung gesetzt. Das Gespräch operiert dabei durchgehend in einem elitären intellektuellen Habitus, der sich bewusst vom reinen Mainstream-Kino abzugrenzen versucht.
### Zentrale Punkte
* **Ästhetik als Türöffner**
Lichtmesz erkläre, dass er Filme primär nach ihrer künstlerischen Qualität bewerte. Selbst Werke dezidiert linker Regisseur:innen ließen sich durch diese Brille für eine rechte Gesellschaftskritik aneignen.
* **Kino als Bewusstseinsformung**
Das erklärte Ziel des Projektes sei es, eine fundierte rechte Filmkritik zu etablieren. Popkulturelle Phänomene würden gezielt auf ihre Verwertbarkeit für eine politische Bewusstseinsbildung abgeklopft.
* **Kulturpessimismus als Tugend**
Spielfilme, die tiefe menschliche Abgründe oder die Leere der Konsumgesellschaft zeigten, würden als direkte Bestätigung des eigenen Unbehagens an der modernen, liberalen Welt interpretiert.
* **Identitäre Filmanalyse**
Bei der Bewertung würden wiederholt ethnokulturelle Konzepte angelegt. Konflikte im Film würden primär auf Herkunft, vermeintlich anti-weißen Rassismus oder identitäre Rückbesinnung reduziert.
### Einordnung
Die Episode liefert einen hochgradig transparenten Einblick in die metapolitische Strategie der Neuen Rechten. Lichtmesz argumentiert nicht plump populistisch, sondern belegt seine Thesen mit profunder filmhistorischer Kenntnis, was die Diskussion intellektuell anspruchsvoll wirken lässt. Problematisch ist jedoch die nahtlose Integration rechtsextremer Narrative in eine scheinbar harmlose popkulturelle Plauderei. Verschwörungsideologien und rassistische Konzepte werden völlig beiläufig als deskriptive Vokabeln genutzt, etwa wenn Gegner in einem Historienfilm ohne weitere Erklärung als „Armee aus Kalergie Menschen“ bezeichnet werden. Diese rhetorische Beiläufigkeit normalisiert völkisches Denken systematisch. Komplexe Kunstwerke werden letztlich vor allem daraufhin überprüft, ob sie sich in eine reaktionäre, anti-moderne oder identitäre Agenda einpassen lassen, während der Moderator diese Lesarten völlig kritiklos validiert.
**Hörwarnung**: Die Episode verpackt völkische Narrative und rechtsextreme Verschwörungsbegriffe (Kalergi-Mythos) in elitäre Kulturkritik und normalisiert diese dadurch systematisch.
### Sprecher:innen
* **Verlagsvertreter Antaios** – Moderator und Stichwortgeber
* **Martin Lichtmesz** – Neurechter Autor, Publizist und Filmkritiker