RONZHEIMER.: Selenskyj & Merz bei Trump: Heute geht es um alles. Mit Stefanie Bolzen.
Ronzheimer und US-Korrespondentin Bolzen analysieren das bevorstehende Spitzentreffen im Oval Office und die Kehrtwende der EU in der Ukraine-Politik.
RONZHEIMER.
48 min read2468 min audioPaul Ronzheimer und US-Korrespondentin Stephanie Bolzen analysieren in Washington das bevorstehende historische Treffen im Oval Office, bei dem neben Selenskyj erstmals zahlreiche EU-Spitzenpolitiker:innen gemeinsam mit Donald Trump verhandeln wollen. Die Episode zeigt, wie sehr sich die europäische Position seit dem Alaska-Gipfel verschoben habe: von einer klaren Forderung nach Waffenruhe zu einem offenen „Friedensabkommen ohne feste Konditionen“. Bolzen betont, dass Trump massiven Druck auf Selenskyj ausüben werde, den gesamten Donbass abzutreten, und dass die Europäer lediglich versuchten, „das irgendwie einigermaßen auszuhandeln“. Besonders brisant sei, dass Trump keine konkreten Sicherheitsgarantien zusage, aber die EU-Spitzen sofort dessen Formulierung übernahmen. Die Diskussion beleuchtet auch die internen Machtkämpfe im US-Team: zwischen dem pro-russischen Emissär Steve Witkoff und dem moderateren Außenminister Marco Rubio. Ronzheimer und Bolzen zeigen, wie sehr persönliche Sympathien – etwa Trumps Vorliebe für Mark Rutte oder Abneigung gegen Ursula von der Leyen – die Verhandlungen beeinflussen könnten.
### 1. Historisches Machtspiel im Weißen Haus
Es gebe wohl noch nie ein solches Treffen gegeben, „dass so viele europäische Staats- und Regierungschefs auf einmal im Weißen Haus auftauchen“, so Bolzen. Die bloße Anwesenheit der EU-Spitze signalisiere, „wie ernst die Lage ist“, und solle Trump zugleich als Friedensstifter inszenieren.
### 2. Europäische Kehrtwende weg von der Waffenruhe
Nach dem Alaska-Gipfel habe sich die US-Position offenbar über Nacht geändert: „von Waffenstillstand redet keiner mehr. Trump hat nicht mal das Wort Ceasefire in den Mund genommen.“ Die Europäer übernähmen nun Trumps neue Formulierung, ohne öffentlich Widerstand zu leisten.
### 3. Druck auf Selenskyj, den Donbass aufzugeben
Trump wolle den Krieg „beenden, sich damit nicht mehr beschäftigen“. Bolzen erwartet „riesigen Druck“ auf Selenskyj, das „komplett aus dem Donbass“ abzurücken – ein Zugeständnis, das der ukrainische Präsident bislang strikt ablehne.
### 4. Leere Sicherheitsgarantien als Tauschwährung
Trump habe erstmals von „Artikel-5-ähnlichen Sicherheitsgarantien“ gesprochen, ohne Details zu nennen. Die EU-Spitzen seien „sofort drauf gesprungen“, obwohl klar sei, dass US-Truppen nicht in die Ukraine entsandt würden.
### 5. Machtkampf im Trump-Team
Zwischen dem als überfordert geltenden Sondergesandten Steve Witkoff und Außenminister Marco Rubio zeichne sich ein „extrem schwieriger Spannungsbogen“ ab. Witkoff schwärme von Putin, während Rubio die ukrainische Position verteidige – Trump selbst bleibe unberechenbar.
### 6. Persönliche Sympathien als außenpolitisches Kalkül
Trump bevorzuge jene europäischen Politiker, „die ihm intellektuell nicht überlegen sein könnten“. Mark Rutte gelte als „absoluter Liebling“, während Ursula von der Leyen „schwierig“ sei. Diese persönlichen Vorlieben wirkten sich direkt auf die Verhandlungsdynamik aus.
## Einordnung
Die Episode liefert zwar viele Insider-Details, bleibt aber journalistisch oberflächlich: Faktenchecks oder differenzierte Einordnungen fehlen, stattdessen dominieren Spekulationen und persönliche Eindrücke. Die Frage, warum die EU-Spitzen ihre eigenen Forderungen so schnell fallen ließen, wird nicht wirklich hinterfragt; stattdessen wird die Dynamik als unausweichliche Machtrealität dargestellt. Auffällig ist die fast vollständige Ausblendung ukrainischer oder russischer Stimmen – das Gespräch bleibt eine rein westliche Selbstbespiegelung. Die Vermengung von politischer Analyse und Klatsch über Outfits („wird Selenskyj Anzug tragen?“) untergräbt den Anspruch, ein journalistisches Format zu sein. Wer eine kritische Auseinandersetzung mit den europäischen Kompromissbereitschaften sucht, wird hier kaum fundierte Antworten finden.
Hörwarnung: Wer tiefergehende Einordnung statt Insider-Gerüchten sucht, sollte sich andere Quellen zu den Ukraine-Verhandlungen anschauen.