Der Science-Fiction- und Thrillerautor Tom Hillenbrand, bekannt für seine düsteren Technikvisionen in Romanen wie "Droneland", liefert in dieser dreiteiligen Kurzbefragung einen pointierten Gegenentwurf zu aktuellen KI-Diskursen. Seine zentrale These untermauert er mit einem Zitat aus Frank Herberts "Dune": „Once, men turned their thinking over to machines in the hope that this would set them free. But that only permitted other men with machines to enslave them.“ Die Gefahr, so Hillenbrand, gehe nicht von einer bösartigen Superintelligenz aus: „We will get betrayed by power-mad techno barons or totalitarian governments who are using AI to achieve their ends.“ Nicht die Technologie selbst sei das Problem, sondern die Machtkonzentration, die sie ermöglicht.
In einem zweiten, ökonomisch geprägten Argument erklärt Hillenbrand generative KI sogar für eine riesige Enttäuschung, weil sie ein grundlegend falsches Problem löse. Ihr Hauptzweck sei es, mehr Inhalte zu produzieren – Artikel, Videos, Präsentationen. Doch Wissensarbeiter:innen bräuchten nicht mehr, sondern weniger "Zeug". Da der Medienmarkt bereits gesättigt sei, fehle es schlicht an Konsument:innen für diese Flut, was die Technologie langfristig funktional und wirtschaftlich unhaltbar mache. Er plädiert stattdessen für den Einsatz von KI in Bereichen wie Physik oder Medizin. Als wertvollen Gegenpol empfiehlt Hillenbrand schließlich völlig analoge Hobbys wie das Tabletop-Rollenspiel "Dungeons & Dragons". Den besonderen Wert sieht er in einer "einzigartigen, geteilten Geschichte", die nur für den Moment existiert und nicht gestreamt wird.
Einordnung
Hillenbrands Perspektive ist die eines belesenen Literaten und Technologiekritikers, nicht die eines Entwicklers. Das verleiht seinen Argumenten eine erfrischende kulturelle und historische Tiefe, die im oft kurzlebigen KI-Hype untergeht. Es werden allerdings vor allem dystopische Risiken und das Scheitern betont; die bereits existierenden, nützlichen Anwendungen von KI im Alltag und in der Forschung blendet er zugunsten seiner pointierten Thesen nahezu vollständig aus. Die unausgesprochene Annahme lautet, dass generative KI ausschließlich auf Quantität und Marktsättigung setzt, und ignoriert Entwicklungen, die auf echte Assistenz und qualitative Sprünge abzielen. Die Agenda fördert eine fundamental-kritische, humanistische Skepsis gegenüber der Allianz von Tech-Eliten und Macht, die als eigentliche Bedrohung identifiziert wird.
Die Stärke des Textes liegt in seiner Fähigkeit, den technologischen Diskurs auf die entscheidende Frage der Macht zurückzuwerfen. Für Leser:innen, die den üblichen KI-Optimismus satt haben und eine provokante, intellektuell fundierte Gegenstimme suchen, ist diese kurze Lektüre äußerst anregend und lesenswert.