Zusammenfassung

Die AfD-Fraktion im Bundestag hinterfragt in dieser Kleinen Anfrage die Verwendung von Bundesmitteln des Programms „Demokratie leben!“ im Ilm-Kreis (Thüringen). Hintergrund ist ein Kreistagsbeschluss vom 27.05.2026, zukünftig keine Fördergelder des Bundesprogramms mehr anzunehmen – beschlossen mit Stimmen von AfD und CDU sowie Freien Wählern. Trotz des Beschlusses wirbt die „Lokale Partnerschaft für Demokratie Ilm-Kreis“ weiterhin öffentlich für die Inanspruchnahme der Mittel, während die Landrätin eine Bürgerabstimmung über den Förderstopp anstrebt. Die Abgeordneten verlangen volle Transparenz über Finanzströme, Antragsverfahren, Kontakte zwischen Bund, Land und lokalen Akteuren sowie mögliche Sicherheitsprüfungen von Zuwendungsempfängern.


Einordnung

Die Anfrage folgt einer bundesweit beobachtbaren Strategie rechtspopulistischer Akteure, demokratiefördernde Programme als „ideologisch“ oder „intransparent“ zu diskreditieren. Die AfD nutzt den konkreten Konflikt im Ilm-Kreis, um allgemeine Vorwürfe zu untermauern: Doppel- und Langzeitförderungen, mangelnde Prüfmechanismen staatlicher Mittelvergabe sowie potenzielle Zusammenarbeit mit „verfassungsfeindlichen“ Akteuren. Auffällig ist die asymmetrische Argumentation: Während die AfD lokale Widerstände gegen das Programm als „Bürgerwillen“ rahmt, ignoriert sie, dass ihr eigener Antrag im Kreistag maßgeblich war.

Die Fragen zielen auf eine umfassende Offenlegung von Daten – doch ein zentraler Widerspruch bleibt unreflektiert: Die AfD fordert Transparenz bei der Mittelvergabe in einem Programm, dessen Abschaffung sie selbst mitbetrieben hat. Die detaillierten Anfragen zu Antragsstatistiken, Sicherheitsprüfungen und externen Gutachtern könnten zwar sachliche Erkenntnisse liefern, dienen aber primär der Delegitimierung des Bundesprogramms. Die Betonung von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ könnte zudem als Dog Whistle fungieren, um pauschal Misstrauen gegenüber NGOs zu schüren.