In dieser Folge der Sommerserie von «Weltwoche Daily» stellen die Gastgeber Roman Zeh und der Historiker Christoph Mörgeli die Stadt Lugano vor. Im Zentrum steht die Kathedrale San Lorenzo, deren Baugeschichte Mörgeli detailliert nachzeichnet – von der romanischen Entstehung über Renaissance-Erweiterungen bis zu barocken Ergänzungen. Die Kirche diene als Ausgangspunkt für eine Darstellung, die das Tessin als traditionsverwurzelte, katholisch geprägte Region zeichne. Politisches und Kulturelles werden dabei eng verwoben: Die Zugehörigkeit zur Schweiz seit 1512 wird als Glücksfall präsentiert, das Ringen um ein eigenes Bistum als Kampf gegen antikatholische Kräfte im Bundesstaat. Dass die Perspektive stark auf kirchliche und traditionelle Identität fokussiert bleibt, wird nicht thematisiert.
Zentrale Punkte
- Kathedrale als Identitätsanker Die Kathedrale San Lorenzo sei baulich und symbolisch zentral für Lugano – ihre Renaissance-Fassade sei genauso alt wie die Schweizer Zugehörigkeit des Tessins und verankere kirchliche Geschichte tief in regionaler Identität.
- Kirchliche Eigenständigkeit als Erfolg Das Ringen um ein eigenes Bistum – gegen den Widerstand Österreichs und der liberalen Schweiz – zeige, wie schwer sich die katholische Mehrheit im Tessin durchgesetzt habe, bis 1971 ein direkt Rom unterstelltes Bistum entstanden sei.
Einordnung
Die Folge präsentiert sich als lockere Kulturvermittlung, gestützt auf Mörgelis kunsthistorische Detailkenntnis. Die Baubeschreibungen sind präzise, und die politischen Zusammenhänge um das Bistum werden anschaulich erklärt – das schafft Zugang zu einem spezifischen Stück Schweizer Geschichte.
Die Darstellung transportiert jedoch durchgehend eine konservativ-traditionalistische Sicht: Der Katholizismus erscheint als selbstverständlicher Kern tessiner Identität, Säkularisierung wird nur als Verlustgeschichte gestreift. Diskursive Schieflagen zeigen sich in der Sprache – etwa wenn die Bundesverfassung von 1848 ihre konfessionellen Artikel „geschmuggelt“ habe, was den liberalen Bundesstaat implizit als wenig redlich zeichnet. Die Perspektive der heutigen nicht-katholischen, säkularen oder migrantischen Bevölkerung bleibt gänzlich ausgeblendet. Das Gespräch ist nicht als Debatte angelegt – Nachfragen des Moderators bestätigen lediglich das Gesagte, statt es zu vertiefen oder kritisch zu prüfen.
Hörempfehlung: Für Personen, die sich für kunsthistorische Details und die ältere politische Kirchengeschichte des Tessins interessieren, bietet die Folge eine faktenreiche, wenngleich einseitig gewichtete Einführung.
Sprecher:innen
- Christoph Mörgeli – Historiker, ehemaliger Universität Zürich-Dozent und SVP-Politiker
- Roman Zeh – Moderator der Weltwoche-Sommerserie