In dem Interview-Podcast von Tichys Einblick spricht der Moderator mit Prof. André Thess über den Zustand deutscher Universitäten. Thess, Professor für Thermodynamik, zeichnet das Bild eines Systems, das durch ideologische Überfrachtung, mangelnde Disziplin und einen Rückgang der akademischen Exzellenz in der internationalen Krise stecke.

1. Leistungskrise statt Klimakrise

Es werde behauptet, dass das Hauptproblem der Hochschulen nicht etwa die „Klimakrise“ sei, sondern eine ausgeprägte „studentische Leistungskrise“. Thess lege dar, dass trotz gleichbleibendem Schwierigkeitsgrad in MINT-Fächern die Noten sänken und die Studienabbruchquoten hoch seien. Er zitiere als Beleg: „54 % haben geantwortet, dass die Anforderungen zu hoch sind und 49 % haben geantwortet, dass es zu viele Prüfungen gibt.“

2. Wirtschaftliche Folgen durch schlechte Bildung

Die schlechte Qualität der Hochschulbildung könne laut Thess langfristige ökonomische Folgen haben. Er berufe sich auf das Ifo-Institut und behaupte, dass „schlechte Bildung in Deutschland langfristig Schäden, wirtschaftliche Schäden im Umfang von bis zu 10 % des deutschen Bruttosozialproduktes herbeiführen könnte“.

3. Reformbedarf durch Studiengebühren und Auswahlverfahren

Um die Exzellenz wiederherzustellen, plädiere Thess für drastische Änderungen. Er vertrete die Auffassung, dass „das deutsche Hochschulwesen ohne Studiengebühren keine Zukunft habe“. Zusätzlich sollten „Zugangsprüfungen“ eingeführt werden, um die Eignung der Studierenden sicherzustellen.

4. Internationaler Vergleich mit China

Im Kontrast zum deutschen System sehe Thess in China eine deutlich höhere „Studiendisziplin“ und „Lernbereitschaft“. Während er vor zwei Jahrzehnten noch mangelnde Kreativität kritisiert hätte, habe sich dies seiner Beobachtung nach gewandelt: Studierende in China seien heute „sehr kreativ, sehr lernbegierig“.

5. Kritik am staatlichen Finanzierungsmodell

Das aktuelle System der Professurenvergabe sei ein Ergebnis von „akademischen Ränkespielen“ und politischer Einflussnahme durch Landesministerien. Thess argumentiere, dass in einem „privatisierten Hochschulsystem“ hingegen ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage entstehen würde, was ideologische Debatten überflüssig mache.